Zetel - „In dem letzten Schreiben, das ich von der Gemeinde bekommen habe, steht, dass die Bauarbeiten Ende Februar beendet sind. Das ist doch wohl ein Witz“, sagt Jochen Sieben, Inhaber des Blumengeschäfts an der Hauptstraße. „Ich habe dann aus der Nordwest-Zeitung erfahren, dass sich der Bau verzögert. Das finde ich unmöglich.“ Er spricht von Unverhältnismäßigkeit und Ignoranz.

Jochen Sieben ist sauer, ebenso wie Jeanette und Hermann Wilkenjohanns. „Der Bau gerät immer weiter in Verzug, und wir wissen von nichts“, sagt Sieben. Das größte Problem sei, dass von der Gemeinde nicht ausreichend kommuniziert werde, dass alle Geschäfte in der Hauptstraße weiterhin erreichbar sind. „Wir haben erhebliche Umsatzeinbußen“, sagt Jochen Sieben.

Jeanette und Hermann Wilkenjohanns, Betreiber und Eigentümer der Diskothek Mark 4, beklagen, dass sie nicht einmal über den Termin des Baubeginns am 11. Januar informiert gewesen seien. „Es sind Schreiben an alle Anwohner gegangen, außer an uns. Über diesem Schreiben stehen als Adressaten die Hausnummern 1 bis 7. Aber wir sind Hausnummer 10 und wurden nicht berücksichtigt“, ärgert sich Jeanette Wilkenjohanns. „Auf einmal stand der Bagger da.“

Jochen Sieben sagt: „Auch die Bewohner des Mehrfamilienhauses gegenüber wurden nicht gut informiert. Sie hatten außerdem die ersten fünf Tage kaum eine Möglichkeit, ihr Haus zu erreichen, sie mussten bei der Spielothek über den Zaun klettern oder bei der Volksbank durch die Hecke steigen.“

Auch Stefanie Wedemann, die mit ihrem Partner und ihrer zehn Monate alten Tochter über dem Blumengeschäft Sieben zur Miete wohnt, übt Kritik. „Das ist eine Katastrophe. Jochen Sieben und die Bauarbeiter helfen mir, meinen Kinderwagen über die Baustelle zu tragen. Aber allein stehe ich ziemlich dumm da, wenn ich mit der Kleinen das Haus verlassen will. Ich habe mich bei der Gemeinde Zetel gemeldet, aber wurde vertröstet“, sagt die junge Frau. „Man hätte mehr auf uns eingehen und sich mehr um uns Anwohner kümmern können.“


Bürgermeister Lauxtermann sagt auf Nachfrage der NWZ: „Herr Sieben ist von Bauamtsleiter Heinz Thormählen mündlich über die Verzögerungen der Bauarbeiten informiert worden, das muss reichen. Andere Anwohner dagegen sind nicht informiert worden, und das bedauere ich auch.“

Jochen Sieben sagt, er glaube nicht, dass die Hauptstraße bis Mitte März fertig werden kann. „Das sieht man doch sofort, dass das nicht klappt“, meint er. Und damit liegt er richtig. Die Gemeinde hat am Mittwoch mitgeteilt, dass die Bauarbeiten erst Ende März beendet sein werden. Diese Meldung will die Gemeinde per Mail an alle Anlieger herausgeben.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales