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Baugebiet „Wir wohnen hier doch ganz zentral“

Reitland - Als Ralf Thienken 13 Jahre alt war, wusste er genau, wo einmal sein Haus stehen sollte. Damals weideten dort noch die Kühe seines Vaters Gerd Thienken, jetzt, 26 Jahre später, erstreckt sich hier ein Baugebiet mit elf Grundstücken. Es war nicht einfach, aus den Weiden Bauland zu machen.

Doch am Donnerstagvormittag wurde der Schlusspunkt gesetzt: Bauamtsleiter Edgar Petershagen nahm das Baugebiet ab. Wenn einige kleinere Mängel beseitigt sind, wird die Gemeinde die Straße Grüner Winkel übernehmen.

Ein Freudenfeuer

1996 stellte Gerd Thienken den ersten Bauantrag bei der zuständigen Behörde. Doch die konnte ein einzelnes Haus auf landwirtschaftlich genutztem Gelände nicht genehmigen. Auch als Gerd Thienken den Antrag auf drei Grundstücke erweiterte, musste es beim Nein bleiben.

Deshalb entschloss sich der Landwirt, 3 der insgesamt 60 Hektar seines Betriebes in ein Baugebiet zu verwandeln. Dafür bekam er 1999 die Genehmigung. Interessenten gab es genug; viele junge Reitlander wollten in ihrem Heimatdorf bleiben.

Thienkens Frau Hanna hat immer noch vor Augen, wie die Bauinteressenten auf das Land liefen und vor lauter Freude über die Genehmigung ein Feuer entfachten. Noch im selben Jahr begannen sie zu bauen.


Die Grundstücke waren, wie es in Reitland üblich ist, groß: Das kleinste maß 1200 Quadratmeter. Das überzeugte auch den gebürtigen Kleinensieler Michael Sanders. Er hatte sich in Rodenkirchen umgesehen, wo es nur kleinere Grundstücke gab. Im Mai 2000 kaufte er sich am Grünen Winkel ein, Weihnachten desselben Jahres zog er mit seiner Frau Brigitte hier ein. Der Quadratmeter kostete damals wie heute 27 Euro.

„Hier guckt niemand dem Nachbarn auf den Küchentisch“, sagt Brigitte Sanders. Zudem ist im großen Garten genug Platz, auf dem ihr Sohn Ben seine Fußball-Leidenschaft austoben kann, ohne jemandem in die Quere zu kommen.

Gemeinsam gepflastert

Das gute Einvernehmen leidet nicht unter dem Abstand zwischen den Häusern – im Gegenteil. „Wir haben hier eine tolle Gemeinschaft“, freut sich Brigitte Sanders. Die Anwohner feiern nicht nur gemeinsam, sie arbeiten auch zusammen. So haben sie den Spielplatz in der Mitte des Baugebiets gemäht, bevor die Gemeinde ihn im Frühjahr wegen eines defekten Geräts sperrte. Es gab nicht einmal einen Mäh-Plan; wer Zeit und Gelegenheit hatte, rückte dem Gras zu Leibe, und meistens dauerte es nicht lange, bis sich ein zweiter hinzugesellte, der half.

Auch die Auffahrten pflastern die Anlieger in der vergangenen Woche gemeinsam neu, um sie an das Niveau der neu verlegten Straße anzupassen. Keiner musste die Arbeit allein erledigen. Als die letzte Auffahrt gepflastert war, ließen sich an Gerd Thienkens Bauwagen beim Spielplatz mit einem Bier am Feuer nieder. Am Montag verteilten sie gemeinsam die Erde und säten Gras an.

Dass Reitland keinen Laden hat, ist für Brigitte und Michael Sanders überhaupt kein Problem. „Wir wohnen hier doch ganz zentral“, lautet ihre Antwort, die manchen überraschen mag. „Von Reitland aus sind wir schnell in Rodenkirchen, Varel oder Seefeld, wo wir einkaufen können. Wir müssen die Einkäufe nur gut planen.“

Dass der Endausbau des Baugebiets jetzt möglich war, liegt natürlich daran, dass die letzten beiden Grundstücke – 1600 und 1800 Quadratmeter groß – verkauft und bebaut worden sind. Auch diese Häuser stehen auf bis zu zehn Meter langen Pfählen. Jetzt muss auch das Müllauto außen vor bleiben, die Anlieger bitten die Gemeinde um einen Stellplatz für die Tonnen.

Gerd Thienken führt derweil eine kleine Liste von weiteren Bauinteressenten. Sein Land auf der gegenüberliegen Seite bietet er gern an, aber den Ausbau wie beim Grünen Winkel will der 69-Jährige sich und seiner Frau nicht noch einmal zumuten: „Das war schon stressig.“

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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