Wildeshausen - Sie haben Knoten in ein Seil geschlungen: je einen Knoten für jedes Probleme, das sie besprochen haben. Knoten, die sie durchgeschlagen sehen möchten: Von „wie viel Geld wofür ausgeben“ und „leichte Sprache“ über „mehr Selbstbewusstsein des Heimbeirats“ und „ernst genommen werden“ bis zur Zusammenarbeit mit anderen Ebenen reichten die Stichworte auf bunten Zetteln, die die einzelnen Knoten markierten.
Zwei Tage lang beschäftigte sich der Heimbeirat der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen am Wochenende mit dem Thema „Mitwirkung“. Hintergrund ist die Neuausrichtung der Diakonie mit Dezentralisierung der Betreuung der Menschen mit Behinderung. „Die Diakonie Himmelsthür verändert sich. Wir wollen mitentscheiden. Aber wie?“: Darum ging es bei der Fortbildung unter Leitung von Stefan Göthling vom Verein „Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland“ und seiner Assistentin Carolin Emrich. Gemeinsam sammelten die Teilnehmer Ideen und Wünsche des Beirats und der Mitbewohner sowie Ansätze, wie die künftige Beteiligung aussehen könnte. Mut gehöre dazu und Kraft, hieß es da, „und wichtig ist, dass wir alle ernst genommen werden“, so Marion Ellerbrock.
„Der Heimbeirat arbeitet zentral gut“, betonte Anke Strömer, Assistentin des Heimbeirats: „Aber mit der Dezentralisierung kommen neue Probleme auf uns zu, bei denen er auch mitreden möchte.“ Die Mitbestimmung müsse den neuen Bedingungen angepasst werden. Auch inhaltlich: Fragen seien bei kleineren, ortsnahen Wohnangeboten etwa „Wie komme ich mit Nachbarn zurecht?“ oder „Welche Freizeitmöglichkeiten kann ich nutzen?“
An diesem Montag soll das Erarbeitete in die Steuerungsgruppe Konversion der Diakonie Himmelsthür getragen werden, in der auch der Heimbeirat vertreten ist durch Annette von Horn. Dann wird es auch um den „dicksten Knoten“ (Strömer) gehen und wie der zu lösen: die Zusammenarbeit zwischen Heimbeirat und Steuerungsgruppe.
Ein wichtiger Punkt ist einfache Sprache zur Verständigung, wie im Seminar klar wurde: „Sprache kann eine große Barriere sein“, betonte Seminarleiter Göthling: Was für Rollstuhlfahrer die Treppe, sei für Menschen mit Lernschwierigkeiten die Sprache – „und Barrieren behindern“. Wichtig sei ferner, die Menschen zu stärken, damit sie sich wirklich selbst vertreten könnten: „Sie sind die Hauptpersonen. Sie müssen lernen zu sagen, was sie wollen, wie sie leben wollen.“
Die Vereinigung „Mensch zuerst“ hat sich auf die Fahnen geschrieben, für Selbstbestimmung von Menschen mit Unterstützungsbedarf zu kämpfen. Er gebe Tipps, so Göthling, „und die Heimbeiräte machen dann ihre kleinen Schritte, um an ihr gestecktes Ziel zu kommen“. Das von Träger und Heimbeirat in Wildeshausen initiierte Seminar war ein erster Schritt, dem weitere folgen sollen.
