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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Millionenklage gegen neuen EWE-Vorstand Ines Kolmsee

16.07.2015

Oldenburg /Traunstein Eigentlich wollte sich Ines Kolmsee in diesen Wochen ganz auf ihre neue Tätigkeit bei der EWE konzentrieren. Doch nun muss sich die 45-Jährige, die seit 1. Mai im Vorstand des Oldenburger Energiekonzerns für das Ressort Technik verantwortlich ist, auch noch einmal intensiv mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.

Vor wenigen Tagen erhielt Kolmsee Post vom Landgericht im bayerischen Traunstein. Inhalt des Schreibens: Die SKW Stahl-Metallurgie Holding AG, ein Spezialchemieunternehmen aus dem bayerischen Unterneukirchen, dem Kolmsee als Vorstandsvorsitzende vorstand, hat sie auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt.

Streitwert 55 Millionen

Ein Gerichtssprecher bestätigte jetzt auf Anfrage, dass eine entsprechende Klage eingegangen und an Kolmsee sowie einen weiteren früheren SKW-Vorstand mit der Bitte um Stellungnahme zugestellt worden sei. Der Streitwert liege bei 55 Millionen Euro.

Kolmsee war von 2004 bis zum 31. März 2014 in der Führung von SKW tätig, ab 2006 als Vorstandsvorsitzende. Unter ihrer Führung schlug das Unternehmen einen bemerkenswerten Wachstumskurs ein. Der Umsatz stieg von 160 Millionen auf mehr als 400 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 220 auf mehr als 1000. Im Ausland entstanden mehrere neue Produktionsstätten, u.a. übernahm SKW Anfang 2011 ein Kalziumkarbidwerk in Schweden und weihte im gleichen Jahr ein Kalziumsilizium-Werk im Himalaya-Königreich Bhutan ein.

Im Herbst 2013 kündigte Kolmsee an, ihren Vertrag aus „privaten Gründen“ über den 31. März 2014 hinaus nicht noch einmal verlängern zu wollen. Der Aufsichtsrat dankte ihr damals ausdrücklich für ihre geleistete Arbeit.

Doch schon kurz nach dem Ausscheiden Kolmsees kündigte die neue Führung unter dem neuen SKW-Vorstandschef Kay Michel einen radikalen strategischen Kurswechsel an. Sie stellte die eigene Herstellung von Kalziumkarbid und Kalziumsilizium infrage und zeigte sich unzufrieden mit der Entwicklung der Werke in Schweden und Bhutan.

Am 14. August 2014 schockte SKW die Börse schließlich mit der Mitteilung, dass man Wertberichtigungen von 84 Millionen Euro vornehmen müsse. Die beiden Werke in Schweden und Bhutan wurden auf null abgeschrieben, sprich als völlig wertlos angesehen. Binnen eines Tages rauschte der Kurs der SKW-Aktie um mehr als 50 Prozent in den Keller.

Verantwortlich für den Schaden machte das neue Management Kolmsee und ihren früheren Finanzvorstand, weil sie bei den beiden Werken von völlig falschen Kalkulationen und Annahmen ausgegangen seien. „Die Klage fußt primär auf den Investitions-Projekten in Schweden und Bhutan“, bestätigte ein SKW-Sprecher auf Anfrage.

Kolmsee weist die Anschuldigungen zurück. „Wir sehen die erhobenen Vorwürfe durch das neu installierte Management der SKW sowie seine dahinterstehenden Akteure sehr gelassen“, teilte sie über einen Sprecher mit. „Die Vorwürfe sind erkennbar fragwürdig und konstruiert.“

Die 45-Jährige kündigte an, nun ihrerseits „rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen der aktuellen Vorgänge um SKW sowie deren fragwürdiges Agieren“ prüfen zu wollen. „Dabei steht auch die Frage einer möglichen strafbaren Marktmanipulation und Untreue durch den neuen Vorstand – in engem Zusammenwirken mit neuen Anteilseignern – im Raum“, teilte ihr Sprecher mit.

Auch die Finanzaufsicht Bafin war auf die Turbulenzen von SKW im August 2014 aufmerksam geworden und hatte sie einer „routinemäßigen Analyse“ unterzogen, wie eine Bafin-Sprecherin sagte. Dabei habe es aber „keine Anhaltspunkte für Insiderhandel“ gegeben, weshalb das Verfahren eingestellt worden sei.

Turbulente Versammlung

Bei der jüngsten SKW-Hauptversammlung im Juni waren die Wertberichtigungen ebenfalls großes Thema. Dabei wollten die Aktionäre vor allem wissen, warum der Aufsichtsrat die Probleme mit den beiden Werken erst so spät erkannt habe, und warum die Konzernführung nun allein Kolmsee dafür verantwortlich mache. Am Ende verweigerten die Aktionäre sowohl Kolmsee als auch – gegen den Beschlussvorschlag der Konzernführung – mehreren Aufsichtsräten die Entlastung, darunter Dirk Markus, Chef des Finanzinvestors Aurelius (u.a. Berentzen). Er gilt als guter Bekannter von Vorstandschef Michel.

Mit einem schnellen Ende des Streits ist nicht zu rechnen. Bis es zu einem möglichen Verfahren komme, könne es noch Monate dauern, sagte der Gerichtssprecher in Traunstein. Die Unterlagen von SKW seien „sehr umfangreich“. Deshalb müsse man auch Kolmsee genügend Zeit für ihre Stellungnahme geben.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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