Laut dem Vorsitzenden des Agrar-Ausschusses im Bundestag ziehen sich kleinere Geschäfte zurück. Die Qualität sieht er in Gefahr.
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FRAGE:
Fünf bis sechs Lebensmittel-Handelsketten beherrschen in Deutschland überwiegend den Markt. Ist das gut für die Verbraucher?
GOLDMANN
: Wenn es um die Preise geht, ja. Die Preise sind in keinem ernstzunehmenden Land so niedrig wie bei uns. Wenn es um die Perspektive geht, muss man sagen, dass das sehr kritisch zu sehen ist. Denn diese Konzentration bei den Groß-Discountern führt bei den kleineren Geschäften, die bisher auch die Versorgung des ländlichen Raums sicherstellten, dazu sich zurückzuziehen.
FRAGE:
Wie steht es dabei um die bäuerlichen Erzeugerbetriebe?
GOLDMANN
: Es ist ein dreistufiger Vorgang: Da ist der Bauer, danach kommt die Lebensmittelindustrie und dann der Handel. Die Wechselbeziehung entsteht in erster Linie zwischen der Lebensmittelindustrie und dem Handel. Der Bauer als Zulieferer zur Lebensmittelindustrie hat es schwer. Er steht unter einem starken Kostendruck – und dabei geht es ihm nicht gut.
FRAGE:
Kommt es wegen dieser Marktkonzentration vermehrt zu unfairen Einkaufspraktiken?
GOLDMANN
: Der Handel streitet überzogene Forderungen ab, aber Vertreter der Ernährungswirtschaft sprechen von einem enormen Druck. Vor allem, wenn sie ein Produkt haben, das der Handel nicht zwingend platzieren muss. Dann müssen sie möglicherweise schon dazu beitragen, dass die sogenannten Hochzeiten mitfinanziert werden, also dass Werbeprogramme mitfinanziert und das Listing begleitet werden. Das ist schon eine schwierige Situation.
FRAGE:
Wie wirkt sich der Preiskampf auf Qualität und Vielfalt der Produkte, aber auch auf Arbeitsbedingungen aus?
GOLDMANN
: Die Vielfalt ist noch nicht in Gefahr. Die Arbeitsbedingungen sind in einer umkämpften Marktsituation sicherlich anspruchsvoll. Man muss aber sagen, die Arbeitsbedingungen sind tariflich geregelt. Was aktuell zu befürchten ist, sind die Preissenkungs-Spiralen. Das führt dazu, dass Qualität in Gefahr ist – was für den Verbraucher nicht immer erkennbar ist.
FRAGE:
Wie befasst sich die Bundespolitik mit der Problematik?
GOLDMANN
: Es gibt dafür Gesetze, gute Kartell-rechtliche Regelungen. Und es wird darum gehen, nach noch mehr Analysen herauszufinden, wie die Situation wirklich ist.