Berlin - Deutschland steht nach Einschätzung von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nicht vor der nächsten Wirtschaftskrise. „Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland keine Rezession erleben und auch 2013 ein Wirtschaftswachstum in etwa der diesjährigen Größenordnung erreichen werden“, sagte Hundt in Berlin. „Wir haben eine leichte Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung, befinden uns aber von Ausnahmen abgesehen immer noch auf einem erfreulich hohen Niveau.“ Hundt hält allerdings die Anstrengungen der Bundesregierung zur Haushaltssanierung für unzureichend. Er wünsche sich mehr Tempo und mehr Ehrgeiz bei der Konsolidierung. Es sei unverständlich, dass trotz guter Entwicklung noch immer kein ausgeglichener Haushalt erreicht sei.
Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten derweil im neuen Jahr große Risiken durch die Euro-Schuldenkrise. Besorgt äußerten sich an Weihnachten der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph Schmidt, und der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar.
Der Konjunkturexperte des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München, Kai Carstensen, sagte, jederzeit sei eine erneute Eskalation möglich. Er befürchte, „dass wir in einem Jahr noch mehr Rettungsmechanismen etabliert sehen werden und Eigenverantwortung noch weniger gilt als bisher“.
Schmidt warnte, die Ankündigung unbegrenzter Interventionen durch die Europäische Zentralbank und die Beschlüsse des Europäischen Rates hätten „nur etwas Luft verschafft“. Von daher könnten die Probleme immer wieder aufbrechen.
Der RWI-Präsident forderte die Bundesregierung auf, „in der Krise des Euro-Raums Standhaftigkeit zu bewahren“. Dies gelte auch gegenüber „Forderungen von außen sowohl nach einer allzu schnellen Einrichtung einer halbherzig ausgestalteten Bankenunion als auch nach einer Übernahme von Haftungsrisiken, die nicht hinreichend an die Gegenleistung von Konsolidierung und Strukturreformen geknüpft sind“.
HWWI-Direktor Straubhaar sagte, die „Verunsicherung durch die Eurokrise“ bleibe bestehen. Für Deutschland überwiege mit Blick auf 2013 allerdings die Hoffnung auf eine deutliche Besserung der Konjunktur.
