Schortens - Nein, aufs Bild möchte sie jetzt gerade wirklich nicht, entschuldigt sich Ann-Christin höflich. Die 18-Jährige hat zu tun. Gerade steht sie an der Standbohrmaschine, vielleicht wird sie später noch etwas anmalen, drechseln, bohren, schrauben, sägen oder hämmern.
Ein gewöhnlicher Nachmittag in der Jugendwerkstatt Schortens. 16 Plätze gibt es hier für junge Menschen, aktuell im Alter zwischen 17 und 25 Jahren, die aus irgendwelchen Gründen auf ihrem Weg in den Beruf ins Schlingern geraten sind. „Multiple Vermittlungshemmnisse“ heißt das im pädagogischen Fachjargon. „Jugendliche, die nicht ausbildungsfähig sind“, so heißt das beim Jobcenter Friesland, erklärt dessen Leiterin Carmen Giss.
Gemeint sind zumeist Schulschwänzer, aber auch junge Menschen mit Sucht- oder anderen Problemen. In der Werkstatt werden persönliche Schwachpunkte möglichst individuell aufgearbeitet, Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder Sozialkompetenz, später Praktika vermittelt.
Seit rund einem Jahr geschieht dies nun unter neuer Trägerschaft. Seit 1988 gibt es die Jugendwerkstatt, zunächst unter Trägerschaft der Gemeinde, später der Stadt Schortens. 2004 kamen zu den 16 Plätzen für Jugendliche noch vier Plätze für Schulpflichtverweigerer hinzu, aktuell sind es fünf. Vor einem Jahr übernahm dann die Volkshochschule Friesland/Wittmund die Trägerschaft.
Was sich seither geändert hat? „Wir haben uns verkleinert, nur noch zwei statt drei Gewerke“, erklärt die Leiterin der Jugendwerkstatt, Karin von Hundelshausen. Der Bereich Metallarbeiten wird nun gemeinsam mit dem Bereich Holz vom pädagogischen Anleiter Jochen Eggers mitbetreut. Dazu gibt es noch Hauswirtschaft, es wird in der Küche gearbeitet und gekocht.
Und: Die jungen Leute dürfen jetzt sozusagen in die eigene Tasche wirtschaften. „Nach dem neuen Konzept darf hier für den eigenen Bedarf gefertigt werden“, sagt Cornelia Kleen-Ottersberg, Fachbereichsleiterin im Bereich Arbeit und Qualifizierung an der Volkshochschule.
Ann-Christin zum Beispiel, das Mädchen an der Standbohrmaschine, arbeitet gerade an einem Schlüsselbord. Fertiggestellt hat sie bereits einen Schmuckständer, ein Regal, einen Hocker – und ein Vogelhaus, gebaut aus einer alten Teekanne. Goldschmiedin will sie werden. Ihren ein halbes Jahr dauernden Aufenthalt in der Jugendwerkstatt will sie nutzen, um sich kreativ auszuprobieren.
