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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Eine Zukunftswerkstatt im finnischen Wald

05.09.2018

Sieht so eine Hexenküche aus? Große Glasfenster, viel Licht, ein hübscher Steingarten und jede Menge Bäume drum herum – hinter der Designer-Fassade steckt die zentrale Denkfabrik Finnlands: Weltweit auf Platz vier der Forschungslabore für künstliche Intelligenz. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) wirft einen Blick durchs Schlüsselloch in die digitale Welt der Zukunft, die hier im VTT-Center grenzenlos gedacht wird. Diese Köche rühren in vielen Töpfen.

Niemand kommt ohne Chip in die geheimnisvolle Zukunftswerkstatt. Streng limitiert und kontrolliert der Zugang. 36 Prozent aller Erfindungen und Innovationen Finnlands kommen aus diesen Denkfabriken vor den Toren der Hauptstadt Helsinki. Die Schwerpunkte: Klima, Umweltschutz, Gesundheit, Industrie-Technologie und nukleare Sicherheit. „Im Keller können wir mit Raketen gegen Wände schießen, um die Widerstandsfähigkeit von Atommeilern zu testen“, erläutert VTT-Professor Caj Södergard. Auch die Vorteile der Atomenergie für das Weltklima beschäftigt die Wissenschaftler. „Ein heißes Eisen“, zuckt Thümler hier aber zurück.

Bei anderen Punkten hört der Wissenschaftsminister umso aufmerksamer zu. Tatsächlich sind andere Forschungsfelder weniger explosiv: Weltweiter Dateneinsatz zugunsten der Landwirtschaft, schonender Umgang mit Wäldern oder Fischerei. Dazu kommen die „weltbesten Geräte zur Messung von menschlichen Aktivitäten“, wie Prof. Södergard sagt. Beispiele: „Big Data“ registriert genau die Konzentrationsfähigkeiten von Arbeitnehmern am Computer. „Die Schwächeren bekommen leichtere Programme“, sagt Södergard. Ob Arbeitgeber auch so denken?

Ein weiteres Feld: Computer schreiben Zeitungsartikel – in rasender Geschwindigkeit „und in mehreren Sprachen zugleich“, sagt der Digital-Professor. 52 Prozent der Testleser glaubten tatsächlich, dass Menschen den Text verfasst hätten. In anderen Laboren geht es um die frühzeitige Erkennung von Demenz oder um Überwachung von Räumen mittels Kameras – „viel schneller als jedes menschliche Auge“. Künstliche Intelligenz – hier im finnischen Wald längst Alltag.

Und die Niedersachsen sehen noch mehr: Maschinen, die die menschliche Sprache beherrschen, und Menschen, die die „Bedürfnisse“ von Maschinen verstehen. An anderer Stelle wartet die „Start Up-Sauna“. Ein heißer Ofen für Existenzgründungen durch Studenten. „Wir können in 42 Stunden etwas auf die Beine stellen“, verspricht eine „Sauna“-Chefin. Vom Uni-Campus zur eigenen Firma im Turbo-Tempo. Zu schnell für bodenständige Niedersachsen? Thümler sammelt viele Ideen. Solche unkonventionellen Denkfabriken kann sich der Minister für „seine“ Hochschulen gut vorstellen.

Ein erster Schritt: Noch während des Besuchs unterzeichnet die Aalto Universität in Helsinki mit der Leibniz-Universität in Hannover einen Vertrag. Eine strategische Partnerschaft für die kommende Welt von „Big Data“. Und weit mehr Kooperationen mit niedersächsischen Hochschulen sollen noch folgen. Nur beim Essen tickt der Finne ganz traditionell. Am Abend gibt’s Bärenfleisch und Rentier auf den Teller. Aus der ganz normalen Küche. Ohne Hexerei.

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