Wittenberge - Henrik steht oben auf der Schlagleistendreschmaschine und reicht die Garben zu, die durch die Maschine laufen, um den Weizen von den Ähren und der Spreu zu trennen. „Das ist schon körperlich etwas anstrengend“, bemerkt er, macht das aber an diesem Nachmittag noch ein zweites Mal. Mit seinen 16 Jahren ist Henrik Oltmanns der Jüngste bei den „Smeerjungs“ des Heimatvereins „Vergnögde Goodheit“ Westerscheps.

Am Samstag beteiligt er sich zum zweiten Mal an dem „Dreschfest“ auf dem Gelände des Freilichtmuseums Wurnbarg in Wittenberge. „Hier zeigen wir nicht nur, wie früher in der Landwirtschaft gearbeitet wurde. Wir präsentieren auch Gerätschaften, die diese Gruppe repariert und restauriert hat. Und die jetzt wieder laufen.“

Dazu gehört nicht nur die Stiftendreschmaschine (oder auch Spitzdrescher), die im 19. Jahrhundert eingesetzt wurde und im Vergleich zum Dreschflegel bereits Arbeitsvorgänge beschleunigt hatte. Ein Windfeger zum Reinigen des Getreides aus der Zeit um 1900 gehört ebenso dazu wie die Schlagleistendreschmaschine, die als Multifunktionsmaschine ab 1940 zum Einsatz kam. Neben dem gewonnenen Weizen, der automatisch in Säcken abgefüllt wurde, und der anfallenden Maische, die extra gesammelt wurde, konnten die Reste der Ähren gleich zu Strohballen gebunden werden.

Für Henrik, der eine Lehre als Gärtner absolviert, sind Gerätschaften und auch mögliche Reparaturen nichts Fremdes. Das Interesse an Metall- und Holztechnik sollte mitgebracht werden, wenn jemand bei den „Smeerjungs“ mitmachen will, so Gerold Deeken, der für die Gruppe verantwortlich ist.

Eines ist Henrik gleich aufgefallen. „Die alten Gerätschaften und Motoren lassen sich leichter reparieren als die neuen.“ Manchmal passiert es auch, dass die „Smeerjungs“ bei der Reparatur merken, dass bestimmte Teile beschafft werden müssen. „Auf Märkten wird dann danach Ausschau gehalten. Eine originalgetreue Nachfertigung ist häufig nicht möglich, weil es einfach zu teuer wird“, so der 16-Jährige.


Wahrscheinlich bekommen die Besucher im kommenden Jahr dann etwas Neues beim Dreschfest zu sehen. „Wir sind dabei, Gerätschaften von Jan „Wind“ Wetjen aus Westerscheps wieder in Schuss zu bringen“, erzählt Gerold Deeken. Der Edewechter hatte in den 50ern und 60ern Jahren des vorigen Jahrhunderts landwirtschaftliche Maschinen produziert, die dann deutschlandweit verkauft wurden.

Ein Heugebläse mit einer Garbenschleuse wird zurzeit restauriert. Henrik Oltmanns wird dann bei der Präsentation dabei sein. „Es macht einfach nur Spaß. Und solange es diese Gruppe gibt, werde ich dabei bleiben.“