WITTMUND - „Die Krise liegt hinter uns, der Mittelstand blickt optimistisch nach vorne.“ Mit diesen Worten eröffnete der Präsident des Allgemeinen Wirtschaftsverbands Wilhelmshaven-Friesland, Martin Steinbrecher, am Dienstagabend das Unternehmerforum „Position 2011“ in der Stadthalle Wittmund.
Doch natürlich gibt es auch Probleme. Und eines davon ist laut Steinbrecher der Fachkräftemangel, der „kein Gespenst“ mehr sei, sondern sich bereits in der Realität bemerkbar mache. „Wir brauchen gut ausgebildete Menschen“, sagte der AWV-Präsident und plädierte dafür, auch von Unternehmerseite Bildungsnetzwerke zu fördern und die Zusammenarbeit der gut aufgestellten Berufsschulen in der Region auszubauen.
Positive Signale gingen vom Jade-Weser-Port aus, der immer konkreter Formen annehme. „Die Kraft des Faktischen bewegt die Menschen“, sagte Steinbrecher und rief die Gäste dazu auf, die Baustelle im Voslapper Groden regelmäßig zu besichtigen: „Was dort passiert, ist beeindruckend.“ Wichtig sei nun, die Bahnanbindung sicherzustellen. „Wir dürfen nicht müde werden, auf die Bedeutung einer guten Verkehrsanbindung des Tiefwasserhafens hinzuweisen“, so Steinbrecher.
Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen bat um Unterstützung beim Kampf um den Erhalt des „Richthofen“-Geschwaders und des Luftwaffenstandorts Wittmund.
Die Energiebranche biete der Region viele Perspektiven, betonte Claußen mit Blick auf das diesjährige Thema „Energiedrehscheibe Nordwest“. Im JadeBay-Wirtschaftsraum spiegele sich die ganze Dynamik des Energiemarkts wider. Mit Blick auf Zukunftstechnologien komme auch auf die Kommunen eine neue Bedeutung zu: „Wir müssen weg von der Verwaltung und hin zur kommunalen Dienstleistung“, betonte der Bürgermeister.
Dass Wittmund als Veranstaltungsort des Forums gewählt worden war, hatte auch symbolische Bedeutung. Der Allgemeine Wirtschaftsverband, dessen Präsident in Wittmund ein Bauunternehmen betreibt, dokumentierte damit den Zusammenschluss des Wirtschaftsraums an der Küste, der sich u. a. auch in der interkommunalen Marketinggesellschaft JadeBay widerspiegelt. Zudem ist im Landkreis Wittmund mit der IVG Caverns GmbH in Etzel ein bedeutendes Unternehmen der Energiebranche ansässig.
Wie berichtet, stellte IVG-Geschäftsführer Manfred Wohlers in seinem Gastvortrag das Unternehmen vor, das Speicherkapazitäten für Gas und Öl in ausgespülten Salzstöcken vermietet. Bei der Suche nach künftigen Energiekonzepten könnten Kavernen auch als Speicher für den möglichen Energieträger Wasserstoff genutzt werden.
Die feste gesellschaftliche Verankerung des Ziels einer umweltschonenden Energiepolitik betonte der zweite Redner des Abends, Dr. Peter Ahmels von der Deutschen Umwelthilfe. Dass ein Wirtschaftsverband einen Umweltverband einlade, sei ein Beweis dafür. Wichtig sei, dass die Energietechnik der Zukunft von den Menschen akzeptiert werde: „Sonst hat sie keine Chance“, sagte Ahmels und verwies als Beispiel auf die Atomenergie.
