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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

WLAN kommt nur langsam zum Zug

20.05.2017

Oldenburg Schnell einmal mit Smartphone, Laptop oder Tablet kostenlos ins Internet gehen: Zumindest in den ICE-Zügen ist dies seit kurzem kein großes Problem mehr. Im Nahverkehr gibt es in Sachen WLAN dagegen noch großen Nachholbedarf. In Niedersachsen wird dies bislang erst auf wenigen Strecken angeboten. Auf anderen Verbindungen werden die Fahrgäste dagegen noch Jahre auf einen Gratis-Internetzugang warten müssen – mancherorts womöglich gar bis 2025.

Wer entscheidet über WLAN im Nahverkehr?

Im Nahverkehr entscheidet die Bestellerorganisation über die technische Ausstattung der Züge auf den jeweiligen Strecken. In Niedersachsen ist dies das Land Niedersachsen beziehungsweise die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), eine 100-prozentige Tochter des Landes. Bei der Ausschreibung einer Strecke können allerlei Vorgaben gemacht werden, darunter auch zum Thema Internetzugang.

Gibt es eine Verpflichtung zum kostenlosen WLAN?

Bislang gab es in den Strecken-Ausschreibungen im Nahverkehr in Niedersachsen keine Verpflichtung, den Fahrgästen einen kostenlosen Internetzugang zu ermöglichen. Bei künftigen Ausschreibungen soll es solch eine Vorgabe allerdings möglichst geben, sagt Rainer Peters, Sprecher der LNVG.

Wer ist für die Umrüstung der Züge zuständig?

In der Regel ist dies die LNVG. Dort, wo die Eisenbahnbetreiber im Zuge von Ausschreibungen keine eigenen Züge einsetzen sondern die Fahrzeuge aus dem Pool der Landesnahverkehrsgesellschaft anmieten und einsetzen, ist die LNVG als Eigentümer selbst gefordert, die technischen Voraussetzungen für WLAN in den Zügen vorzunehmen und zu finanzieren. Wenn die Betreiber eigene Fahrzeuge einsetzen, stimmen sie sich mit der LNVG ab, die anfallenden Kosten für die Umrüstung übernimmt wiederum die LNVG..

Warum erfolgt die Umrüstung so schleppen?

Die LNVG nennt hier vor allem logistische und finanzielle Gründe. „Da wir in unserem Fuhrpark über 380 Lokomotiven und Wagen haben, die im täglichen Einsatz zwischen Harz und Küste unterwegs sind, ist das eine große logistische Herausforderung für die LNVG, und wir können die technische WLAN-Nachrüstung nur peu à peu vornehmen“, sagt Peters. In der Regel geschehe dies, wenn die große Hauptuntersuchung, bei der LNVG „HU XL“ genannt, für die jeweiligen Fahrzeuge und Lokomotiven ansteht und diese ohnehin aus dem Fahrgastbetrieb genommen werden müssen. „Das spart Kosten, schließlich sind wir auch Treuhänder für Steuergelder“, sagt Peters. Ansonsten gäbe es arge Kapazitätsengpässe im Regionalverkehr.

Wie hoch sind die Investitionskosten?

Die Landesnahverkehrsgesellschaft schätzt die Investitionskosten für die WLAN-Nachrüstung ihres kompletten Fahrzeugpools auf insgesamt rund fünf Millionen Euro. Die Betriebskosten würden zusätzlich und jährlich mit etwa 100.000 Euro je Netz zu Buche schlagen. Insgesamt gibt die LNVG nach eigenen Angaben jährlich knapp 300 Millionen Euro für einen möglichst reibungslosen Regionalverkehr auf der Schiene aus.

Auf welchen Strecken gibt es schon WLAN?

Bislang im Nahverkehr in Niedersachsen nur auf sehr wenigen Strecken. Nach Angaben der LNVG sind im Elektronetz Niedersachsen-Ost (Enno), das von der Metronom Eisenbahngesellschaft betrieben wird, sowie auf der Emsland- und der Mittelland-Linie, die von der Westfalenbahn betrieben werden, die neuen Fahrzeuge technisch bereits ausgerüstet und bieten seit 2016 erstmals WLAN kostenlos an. Für die S-Bahn in Hannover ist im Rahmen der jetzigen Ausschreibung von den Bietern auch die Bereitstellung von WLAN in den Zügen gefordert worden, sagte Peters.

Wo werden die Fahrzeuge als nächstes umgerüstet?

Die nächsten Verbindungen, die komplett mit WLAN ausgerüstet werden sollen, sind nach Angaben der LNVG der Metronom auf der Strecke Uelzen-Hannover-Göttingen (RE 2) ab 2018 und die NWB auf der Weser-Lammetal-Bahn (RB 79) ab 2019.

Und auf Strecken im Nordwesten?

Abgesehen von der Emsland-Linie (RE 15) der Westfalenbahn, die von Münster über Lingen und Leer nach Emden führt, werden Fahrgäste hier wohl auf den meisten Strecken noch Jahre auf WLAN in den Regionalzügen warten müssen. So wird auf den Strecken der Regio-S-Bahn Niedersachsen (unter anderem Nordenham-Hude-Bremen sowie Bad Zwischenahn-Oldenburg-Bremen), auf denen zurzeit die Nordwestbahn mit eigenen Fahrzeugen fährt, für Ende 2021 ein neuer Betreiber gesucht. Zwar soll dann wohl WLAN zur Vorgabe gemacht werden, bis zu diesem Zeitpunkt ist eine Umrüstung aber unwahrscheinlich. „Bei uns gibt es hier keine konkreten Planungen“, sagte NWB-Sprecherin Stephanie Nölke.

Was ist mit dem Weser-Ems-Netz?

Auf den vier Strecken des sogenannten Weser-Ems-Netzes müssen Fahrgäste womöglich noch länger auf einen kostenfreien Internetzugang warten. Auf den vier Strecken (RE 18 Wilhelmshaven-Oldenburg-Osnabrück, RE 19 Wilhelmshaven-Oldenburg-Bremen; RB 58 Bremen-Vechta-Osnabrück und RB 59 Esens-Wilhelmshaven) ist die Nordwestbahn seit Dezember 2016 mit völlig neuen oder grundlegend modernisierten Regionalzügen unterwegs – allerdings ohne WLAN. Modernisierungen im Zuge der HU XL stehen hier erst 2025 wieder an. „Eine kurzfristige Nachrüstung mit WLAN-Komponenten ist daher nicht zu erwarten“, sagt Peters.

Was ist mit den Strecken der Deutschen Bahn?

Die Deutsche Bahn fährt derzeit im Nordwesten noch auf den beiden Strecken des sogenannten Expresskreuzes Bremen/Niedersachsen. Das sind die beiden RE-Verbindungen, die Hannover und Norddeich-Mole sowie Osnabrück und Bremerhaven miteinander verbinden und sich in Bremen kreuzen. Hier wird für Ende 2022 ein neuer Betreiber gesucht, der nach LNVG-Angaben dann auch WLAN anbieten muss. Möglicherweise könnte es auf diesen Strecken aber auch schon vorher einen kostenlosen Internetzugang geben. Nach Angaben der LNVG und der Deutschen Bahn gibt es derzeit Gespräche zwischen der Landesnahverkehrsgesellschaft und der DB Regio AG über die Nachrüstung von WLAN. Diese seien aber noch nicht abgeschlossen.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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