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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Wo das Ende der Welt ein Standort-Vorteil ist

02.10.2014

Seefeld Wer durch die herrschaftlich wirkende Hofeinfahrt mit den übermannshohen Steintoren fährt, glaubt das jahrhundertealte Portal eines Guts zu passieren. Doch die Hausherren Elisabeth Josch-Kunze und Rainer Kunze haben die markante Einfahrt aus Schüttsteinen selbst gepflastert und gemauert. Auch das, was danach kommt, ist ihre Schöpfung: das Seminar-Hotel Kunze-Hof in Seefeld (Kreis Wesermarsch).

Studium und Bauernhof

Wer hierher kommt, sucht etwas ganz Besonderes: die Einöde. Hier lässt sich es gut lernen, denn es gibt wenig Abwechslung am Ende der Welt. „Unsere Gäste wollen wirklich arbeiten“, sagt Rainer Kunze. „Ihre Seminare sind kein Vorwand für eine Sause. Hier ist das Ende der Welt ein Standort-Vorteil.“ Alles was die Gäste außerhalb ihrer Seminare brauchen – gutes Essen, ein gepflegtes Bier, ein Spaziergang durch den Park oder zum nahen Deich des Jadebusens – finden sie auf dem elf Hektar großen Grundstück des Seminarhotels. Rainer Kunze ist 1976 hierhergekommen, damals war er 30. Und der Kunze-Hof war ein Bauernhof, wie er zu Dutzenden in der Wesermarsch zu finden ist.

Rainer Kunze stammt aus Jeddeloh I bei Edewecht, und er brauchte eine Abwechslung zu seinem Physik-Studium in Bremen und Oldenburg. Also kam er auf den Bauernhof seiner damaligen Schwiegermutter Christa Krause und baute von eigener Hand zwei Ferienwohnungen ein. Schließlich ist es bis zu den Küstenbädern in Butjadingen nicht weit. Seine Eltern betrieben eine Nebenerwerbslandwirtschaft, ein Bruder war Maurermeister – da wusste er sich schon zu helfen.

Ende und Anfang

Doch die Ehe ging schief, und 1983 lernte Rainer Kunze die aus Lingen gebürtige Elisabeth Josch kennen, die in Marburg Psychologie studierte. 1985 kam es zur Katastrophe: Der Bauernhof brannte aus ungeklärter Ursache ab, das Geld der Brandkasse reichte gerade aus, um die Kredite zu bedienen. Aber Einnahmen kamen nicht mehr herein. „Das war eine ganz harte Zeit für uns“, erinnert sich Rainer Kunze. Doch das Paar nahm gemeinsam den Kampf auf und begann ein neues Objekt zu schaffen: das Seminarhotel Kunze-Hof. Denn ein Seminarhotel versprach anders als Ferienwohnungen ganzjährige Auslastung. Die Idee: Hotelkomfort wie in der Großstadt am Ende der Welt.

„Das war finanziell dramatisch, aber die Raiffeisenbank hat uns nicht hängen lassen und sich als echte Hausbank erwiesen“, sagt Elisabeth Josch-Kunze. 1986 zog sie auf das Gelände – ebenfalls mit 30. Zunächst plante das Paar ein Haus an der Deichstraße; das Haus Hüllstede wurde im Januar 1987 in Betrieb genommen. Die Einrichtung war zunächst spartanisch; so standen in den Zimmern Etagenbetten. Ebenfalls 1987 heirateten die beiden. Neue Seminarhäuser, Hoteltrakte, die Gaststube mit den verschiedenen Speisezimmern für jedes Seminar entstanden. Auch innen wuchs der Komfort. Alles wurde mit Liebe, Sorgfalt und Geschmack ausgeführt; ein kleines Häuschen mit Pfannendach beherbergt die vielen Müllcontainer. „Es ist das schönste Müllhäuschen Deutschlands“, sagt Rainer Kunze. Den letzten großen Neubau stellten sie vor acht Jahren fertig: Er besteht aus der Rezeption und dem großzügigen Privathaus.

Familie und Erfolg

In den Jahren kamen vier Kinder zur Welt. „Im Nachhinein denke ich, das war gar nicht zu schaffen“, sagt Rainer Kunze, „aber wir haben es geschafft. Es war eine berauschende Zeit.“ Dafür machten sie keinen Urlaub. „Warum auch?“, fragt Elisabeth Josch-Kunze. Das eigene Gelände bot ihnen und den Kindern genug Abwechslung. „Wir haben jeden Strauch, jeden Baum, jeden Stein dahin gelegt, wo er jetzt liegt“, sagt Elisabeth Josch-Kunze. Aus Wiesen entstanden ein Park und Teiche, die Teiche wiederum wurden verbunden, so dass eine Kanustrecke rund um das Gelände entstand. Ein kleiner Flusslauf ziert seit drei Jahren eine einst öde Wiese, und zur Gaststube führt eine selbst gemauerte Rundbogenbrücke. Jetzt will das Ehepaar nicht mehr in Gebäude investieren, sondern in Qualität. Dazu gehört auch der neue gläserne Eingang von Haus Hüllstede und Vorderhaus, der seit September entsteht – mit einem Fahrstuhl für ältere Gäste.

Die weitaus meisten Seminarteilnehmer sind Stammgäste aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland, sagt Rainer Kunze. Die ersten Besucher waren Reisegruppen von Volkshochschulen sowie Seminare von Universitäten und für angehende Ausbilder von Psychotherapeuten, die Elisabeth Josch-Kunze heranholte.

Gegenwart und Zukunft

Heute liegt der Schwerpunkt auf Kommunikations- und Coaching-Seminaren. Die 67 Zimmer mit ihren 100 Betten sind gut ausgelastet. Rund 30 Mitarbeiter, je zur Hälfte in Festanstellung und auf geringfügiger Basis, sind tätig. „Der Betrieb hat jetzt genau die richtige Größe für ein Familienunternehmen“, sagt Rainer Kunze. Ob eines der Kinder einmal einsteigt, werde sich erst in einigen Jahren entscheiden. Und diese Zeit will das Ehepaar gern noch für sein Seminarhotel am Ende der Welt da sein.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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