Osterscheps - Bereits vor gut einhundert Jahren gab es in der Landwirtschaft Sicherheitsbekleidung. Wenn es zum Schneiden der Kornähren mit Sicheln und Sensen auf das Feld ging, war das Tragen von Holzschuhen Pflicht. Denn es konnte leicht passieren, dass die Sichel nicht nur die Getreidehalme durchtrennte, sondern auch mit viel Schwung in den Schuh geriet. Dort landete auch am Sonntag beim Kornmähen auf einem Feld, das dem Osterschepser Landwirt Rolf Büsing gehört, versehentlich ein Sensenhieb.
Beim Schneiden der Getreidehalme mit Sichel und Ausnehmerharken war die Sense in den Holzschuh von Hans-Gerd Oltmer geraten. „Es hatte schon seinen Sinn, dass schon damals das Tragen von Holzschuhen bei solchen Arbeiten Pflicht war, so wurden Verletzungen verhindert“, sagte er.
Zu dem öffentlichen Kornmähen hatten bereits zum fünften Mal die „Smeerjungs“ vom Heimatverein „Vergnögde Goodheit“ Westerscheps eingeladen. Präsentiert wurden der Einsatz von Sichel und Sense, die vor einhundert Jahren eingesetzt wurden, ein Mähbinder, der ab 1945/50 die Arbeit vereinfachte, ein Mähdrescher, Baujahr 1966, der das Korn gleich in Säcke füllte, und eine Kornpresse, die die Ernte gleich auf einen parallel fahrenden Anhänger verlud. „Der rote Mähdrescher von 1966 wurde uns vergangenes vom Lohnunternehmen Harries aus Husbäke überlassen. Insgesamt war er noch in Ordnung, es mussten nur kleinere Arbeiten vorgenommen werden“, sagte Gerold Deeken von den „Smeerjungs“. „Bei unserem öffentlichen Kornmähen können wir nicht nur zeigen, wie früher in der Landwirtschaft gearbeitet wurde. Wir können auch die Maschinen vorstellen, die wir repariert und renoviert haben.“
Das gemähte Getreide wurde zu Garben gebunden und – ganz traditionell – in Hocken aufgestellt. Anschließend wurden die Garben auf einen Hänger verladen. Ein Teil des Getreides wird beim Erntefest im September verwendet, ein weiterer Teil für das Binden der Erntekrone benutzt.
In erster Line wird das Korn allerdings für einen anderen Anlass benötigt: Mitte Oktober findet auf dem Wurnbarg in Wittenberge wieder ein Dreschfest statt, bei dem Gäste sehen können, wie Korn früher weiterverarbeitet wurde. Das Getreide, das bei den Vorführungen gewonnen wird, wird nicht weggeworfen, sondern zu Mehl verarbeitet, was dann seinerseits für das Backen von Broten verwendet wird.
