Upjever - Man stelle sich vor, es ist Winter – und keiner bekommt’s mit: Der erste Freitagmorgen des noch jungen Jahres, im Forst Upjever begibt sich Hans-Joachim Pinkepank vom Hegering Jever auf die Spur der hiesigen Wildtiere. Bislang ist der Januar mild geblieben, viel Grün mischt sich noch mit den erdigen Farbtönen, die ansonsten den Wald beherrschen. Das Nahrungsangebot für das Wild ist noch üppig, doch wenn bald Kälte und Eis kommen, wird das anders. Dann sind besondere Fertigkeiten gefragt – und jede Gattung hat ihre eigene Überlebensstrategie.
Wer nicht den Vorteil hat, wie Siebenschläfer oder Igel einfach den ganzen Winter verschlafen zu können, der muss sich da schon etwas einfallen lassen. Beliebte Taktik: Fett anfuttern und es ruhig angehen lassen – so wie etwa Reh und Dachs es tun.
Letzterer zeigt bei schlechtem Wetter im Winter beinahe menschliche Züge: „Der bleibt dann lieber in seiner Bude liegen“, erklärt Pinkepank. Die „Bude“, ein unterirdischer Bau im Waldboden auf einer Fläche von bis zu 30 Metern, kann sich in Einzelfällen auf bis zu 50 Kammern mit mehr als hundert Eingängen erstrecken – eine Art unterirdisches Familienidyll, bewohnen doch oft mehrere Generationen den Bau, den sie ständig erweitern.
Damit die Sippschaft es stets wohlig warm hat, schleppt der Dachs Gräser in die gute Stube. Pinkepank: „Durch die Gärung entsteht Wärme, die den Bau aufheizt.“
Weniger kuschelig ist das Winterquartier von Rehen. Die nämlich verbringen die Zeit im Freien, gehen aber immerhin in „Dickung“. Mit dem Begriff ist der Jungbestand von Bäumen und Sträuchern am Waldboden gemeint. „Ein ideales Versteck“, erklärt Pinkepank.
Die Tiere bilden Kleingruppen und fahren ihren Stoffwechsel so weit wie möglich herunter, sparen so Energie. Rehe, die den Winter auf freien Flächen verbringen, bilden größere Gruppen. „Um sich gegenseitig besser vor Gefahr warnen zu können“, sagt Pinkepank.
Im Winter ernähren sich die Rehe unter anderem von Brombeersträuchern und Trieben, setzen zudem Fett an, bevor die Kälte das Nahrungsangebot reduziert. Auch Krähen, Gänse oder Schwäne sind in den Wintermonaten gezwungen, weiter aktiv nach Nahrung zu suchen.
Insekten wie etwa Spinnen verharren bei großer Kälte meist in einer Art Winterstarre in einem Versteck und spinnen sich ein. Anders Bienen oder Wespen: Die verlassen das Nest, sterben im Winter zumeist. Das Überleben der Kolonie müssen dann die Königinnen sichern, die sich im Winter einen Unterschlupf suchen. Während die „Majestäten“ im Sommer von den Arbeitern und Drohnen nach Strich und Faden bedient werden, müssen die Tiere nun selbst Schwerstarbeit leisten.
Eier legen, Waben bauen, Nahrung suchen – „dann müssen die Königinnen auch mal richtig malochen“, sagt Pinkepank.
