Bösel - Das surrende Geräusch einer Schärmaschine hallt durch das Zimmer. Eine Handvoll Fell gleitet zu Boden, gleichzeitig ist aus dem Nebenzimmer lautes Bellen zu hören: Ich befinde mich in „Anjas Hundetreff“ – einem Hundesalon und einer Hundepension. Für einen Tag assistiere ich Anja Schamberg bei der Arbeit.

Es ist 10.30 Uhr: Zwei „Kunden“ wurden schon frisiert, der dritte, ein Westie, sitzt angeleint auf dem Hebetisch. Bei ihm merke ich jedoch, dass nicht jedes Tier den Salonbesuch wehrlos über sich ergehen lässt. Während Anja Schamberg versucht, dem haarigen Kunden das Fell an den Ohren zu schneiden, knurrt und schnappt dieser. Für solch schwierige Kunden hat sie eine Lösung: Kurzerhand legt sie ihm einen Maulkorb an.

Nach einer halben Stunde ist die Arbeit getan und der Westie verlässt – mittlerweile vom Maulkorb befreit – mit Frau- chen den Salon. Dies war ein kurzer Besuch.

Pudel zu frisieren sei weitaus aufwendiger, erklärt mir die Inhaberin von Anjas Hundetreff. „Sie müssen erst gewaschen werden, danach föhne ich das Fell auf.“ Dadurch werde es glatt und könne geschnitten werden. Obwohl ihr der Beruf Spaß mache, gibt Anja zu: „Es ist harte Arbeit.“ Jeder Kunde sei anders. Deshalb laute ihre Devise: „Mit Geduld und Spucke.“ Im Grunde genommen wie bei „menschlichen Kunden“ auch.

Als nächstes begeben wir uns in die Pension. Die tierischen Gäste haben Durst und brauchen bei der momentan herrschenden Hitze frisches Wasser. „Zieh dir am besten einen Kittel an“, warnt mich Anja Schamberg, bevor wir den Raum betreten. Jeweils drei oder vier Hunde sind in einem Zimmer untergebracht. Die Tür darf nicht zu weit aufgeschoben werden: Zu groß ist die Gefahr, dass die herumtobenden Hunde herausrennen.


Kaum stehe ich im Zimmer, springen mich zwei ausgewachsene Golden Retriever freudig an. Nur der Kittel verhindert, dass die langen Krallen meine Kleidung zerreißen. Hier verrät mir Anja Schamberg den schönsten Teil ihrer Arbeit: „Am liebsten spiele ich mit den Hunden oder schaue ihnen einfach nur zu.“ Spielen können wir mit den Hunden im großen Garten. Hier können sich die Vierbeiner nach Herzenslust austoben.

Zu guter Letzt darf ich im Salon noch einmal selbst Hand anlegen: Ich schneide der 13-jährigen Pudeldame Alyssa das lockige Fell. Vorsichtig fahre ich mit der Schärmaschine über das Fell. Allerdings lässt mich das Ergebnis feststellen, dass das Frisieren von Hunden gelernt sein will.

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen