Jever - Wieviel Wachstum verträgt eine zukunftsfähige Gesellschaft? Welchen Lebensstil können wir uns in Zukunft leisten, wenn wir wollen, dass die Welt für alle Menschen und für nachfolgende Generationen lebenswert bleibt? Mit grundsätzlichen Fragen wie diesen oder auch zu Fragen einer sozialen Gestaltung der Energiewende, zu nachhaltigem Wirtschaften, zur Bioethik und Gentechnik, beschäftigt sich die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten (AGU) der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland.

Zu ihrer Herbsttagung war die Arbeitsgemeinschaft, ein Zusammenschluss der von den Landeskirchen ernannten Beauftragten für Umweltfragen und ihrer wissenschaftlicher Mitarbeiter, erstmals zu Gast in der ev.-luth. Kirche Oldenburg und tagte in Jever. Im Mittelpunkt dieser Zusammenkunft stand der Austausch über die Klimaschutzarbeit in den Kirchen.

„Acht der 20 Mitgliedskirchen haben bereits ein integriertes Klimaschutzkonzept“, sagt Dirk-Michael Grötzsch von der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg, „andere Kirchen arbeiten an solchen Konzepten. Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker lobte das Engagement der Kirche in Oldenburg, die sich zunehmend für den kirchlichen Umweltschutz engagiere. Das auf der Synode 2012 verabschiedete Konzept bilde die Grundlage für die Umsetzung der kirchlichen Umweltinitiative „Bewahrung der Schöpfung durch konkretes Handeln“.

Konkret gehandelt wird etwa mit einem Ökofonds, der es den Kirchengemeinde erleichtert energetische Sanierungen oder Modernisierungen von Heizungsanlagen in Pfarr- und Gemeindehäusern umzusetzen.

Mit einem wachstumskritischen Diskurs wollen die Teilnehmer der Tagung zudem ei­nen Beitrag leisten zur zentralen Frage des Gelingens ei­ner sozialen Energiewende. So hat der an der Universität Oldenburg lehrende und bundesweit bekannte Wachstumskritiker Prof. Dr. Niko Paech seine Theorie eines Wirtschaftssystems zur Diskussion gestellt, in dem die menschliche Versorgung nicht auf Wachstum beruhe: Nicht Produkte und Technik, sondern nachhaltige Lebensstile führten zu einer Entkoppelung von Versorgung und Wachstum.


Dass die vor 40 Jahren gegründete Arbeitsgemeinschaft in die Politik hineinwirken kann, davon zeugen viele Treffen mit Verbänden und Ministern. Immerhin vertritt die EKD rund 25 Millionen Christen in Deutschland.