Friesland - Dem Jobcenter des Landkreises Friesland ist es zurzeit fast unmöglich, für Flüchtlinge Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. „Sehen sie uns das nach, wir sind bis an die Grenzen belastet mit der Unterbringung“, sagte Landrat Sven Ambrosy am Mittwochabend bei einer Infoveranstaltung des Kreises für die Städte und Gemeinden sowie die ehrenamtlichen Integrationslotsen im Bürgerhaus Schortens.
Als Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge nannte Ambrosy die so genannten „Ein-Euro-Jobs“ oder auch Stellen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes – wenn denn eine Arbeitserlaubnis vorliegt.
„Dies wird kein Spaziergang, sondern eher ein Marathonlauf und vielleicht sogar eine Zeitenwende im Sinne einer modernen Völkerwanderung, die uns noch lange intensiv fordern wird“, stimmte Ambrosy die zahlreich erschienen Vertreter der Kommunen und die Ehrenamtlichen ein.
Ausdrücklich wies er darauf hin, dass andere Themen wie etwa Schulen und Soziales durch den Zustrom der Flüchtlinge nicht vernachlässigt werden. „Bei der Integration der Flüchtlinge sind der Bund und das Land in der Pflicht, die Kommunen finanziell abzusichern.“
Besonders dankte er den Mitarbeitern in den Verwaltungen, die bis an die Grenze der Belastbarkeit gingen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft gehe auch von den vielen Ehrenamtlichen aus, die sich an vielen Stellen engagieren.
Friesland und seine Städte und Gemeinden werden so lange wie möglich an der bewährten dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge festhalten: „Es gibt Wohnraum“, betonte Ambrosy. Zurzeit leben 636 Flüchtlinge im Landkreis. Nach der aktuellen Prognose werden in diesem Jahr noch 446 Menschen nach Friesland kommen.
Bei der Gesamtzahl müsse man berücksichtigen, dass darin 369 Menschen aus den Ländern des Westbalkans enthalten sind, deren Asylanträge nur sehr geringe Aussichten auf Anerkennung haben. Bei den Flüchtlingen aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Sudan liege die Anerkennungsrate bei etwa 90 Prozent und es darf angenommen werden, dass sie dauerhaft bleiben dürfen.
Problematisch ist nach wie vor die Einrichtung von Sprachkursen für Flüchtlinge. Der Landkreis hat in Eigenregie Sprachkurse in Jever, Sande und Varel organisiert, die erste Hilfen für die „tägliche Lebensbewältigung“ bieten sollen (die NWZ berichtete). Zusätzlich beginnen am 15. Oktober acht weitere Kurse in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. Zielgruppe sind Flüchtlinge, die noch nicht die Voraussetzungen erfüllen, an den vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge finanzierten Kursen teilzunehmen.
