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Raubtier Im Kreis Oldenburg Wolf ist kein Märchen mehr

Uta-Maria Kramer

Landkreis/Großenkneten - Dass der Wolf vor der Tür zum Landkreis Oldenburg steht, war bekannt. Dass er jetzt aber wohl tatsächlich auch durch diese Tür gegangen ist, sorgt allenthalben für Erstaunen. Nach bestätigten Wolfsfällen im Emsland und mehreren Vorkommnissen in den Landkreisen Diepholz und Vechta in den vergangenen Wochen deutet jetzt alles darauf hin, dass ein Wolf in dieser Woche ein Kalb auf dem Biohof Bakenhus in Großenkneten gefressen hat. „Vieles bei dem gerissenen Angus-Kalb spricht dafür, dass es einem Wolf zum Opfer gefallen ist“, erläutert Wolfsberater Carsten Sauerwein, der zur Spurensuche vor Ort war. Für Menschen gehe von dem Wolf keine konkrete Gefährdung aus. Man kann somit auch weiter im Wald spazieren gehen.

Viele Indizien

Ein Indiz, das bei dem Vorfall in Bakenhus auf ein größeres Raubtier hindeute, sei der sehr große Riss. Zweites Indiz seien die zwei Bissspuren im Rücken und Becken. „Hier haben wir einen circa 4,5 Zentimeter großen Biss der Eckzähne gefunden“, sagt Sauerwein. Gefehlt habe hingegen der klassische Kehlkopfbiss. „Das könnte man damit erklären, dass das Zwillingskalb vielleicht schon bei der Geburt tot bzw. in den ersten Stunden nach der Geburt noch hilflos war“, mutmaßt Sauerwein.

DNA–Proben hat er nicht genommen, weil dass nur einige Stunden nach dem Vorfall sinnvoll ist. Damit hätte man nicht nur hundertprozentig nachweisen können, dass ein Wolf das neugeborene Kalb gerissen hat, sondern auch, aus welchem Rudel er stammt. Auch Fußspuren seien angesichts der aktuellen Bodenfrostes schwer zu entdecken. „Es gibt ein verwischtes Trittsiegel auf einem Kuhfladen, das ebenfalls zum Wolf passt“, so der Wolfsberater.

Tendenz passt

„Von der Tendenz her passt es zu den Vorfällen in Rüssen und Varenesch, bei denen mehrere Schafe gerissen wurden“, sagt Sauerwein. Die Auswertung der DNA-Spuren, die in Rüssen genommen wurden, steht noch aus und wird einige Wochen dauern.

Sauerwein hat seine Befunde jetzt an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz übermittelt. Von dessen Bewertung hängt ab, ob der Betreiber des Biohofs eine Entschädigung aus Landesmitteln bekommt.

„Als es letztes Jahr um die Ernennung von Wolfsberatern durch das Land Niedersachsen ging, wurde noch gewitzelt, wann die denn wohl jemals gefordert seien“, erinnert sich Sauerwein, der privat Jäger ist und eine Jagdschule betreibt.


„Wir haben so schnell nicht mit dem Wolf gerechnet, weil der Landkreis durch die drei Autobahnen relativ abgeriegelt ist und es nicht so große dichte Wälder wie andernorts gibt, aber der Wolf scheint uns eines Besseren zu belehren“, kommentiert Kreisjägermeister Erich Kreye die Vorfälle.

Das sieht Sauerwein ähnlich, erinnert aber daran, dass die Geest durchaus Ähnlichkeit mit der Lüneburger Heide habe. In der vielfältigen Landschaft gebe es relativ viele Schaf- und Rinderzüchter sowie einen reich gedeckten Tisch an Wild. „Die hiesige Gegend ist zwar dicht besiedelt, aber der Wolf braucht keine Wildnis“, sagt Sauerwein.“ Und weiter: „Der Wolf ist ein sehr interessantes Tier, mit dem wir das Zusammenleben erst wieder lernen müssen.“ Natürlich müsse man sich die Frage stellen, wie viel Wolf die moderne Kulturlandschaft vertrage, aber Hysterie sei hier fehl am Platze.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Rainer Städing vom Forstamt Ahlhorn. Um die Schafe, die auch nächstes Jahr – bewacht von Hütehunden – auf dem Pestruper Gräberfeld und der Glaner Braut grasen werden, ist ihm nicht bange. „Das geht ja immer nur ein paar Wochen, aber der Schäferhof Teerling, von dem die Tiere stammen, hat seine Schafzäune inzwischen doppelt so hoch wie bisher“, berichtet er. Solche Schutzmaßnahmen will das Land künftig stärker fördern, um die Akzeptanz des Wolfes zu erhöhen.

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