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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Volkswagen bringt Stromer in Fahrt

17.11.2018

Wolfsburg /Emden Volkswagen setzt noch entschlossener auf E-Autos als bisher: Der Autobauer stockt seine Investitionen in Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung in den kommenden fünf Jahren auf knapp 44 Milliarden Euro auf. Dies entspreche rund einem Drittel der Gesamtausgaben im Planungszeitraum 2019 bis 2023, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Freitag in Wolfsburg nach Beratungen der VW-Kontrolleure. Für die bislang letzte Fünf-Jahres-Periode hatte die Summe noch 34 Milliarden Euro betragen.

„Wir machen Tempo bei den Zukunftstechnologien und beim notwendigen Umbau unserer Werke“, betonte Konzernchef Herbert Diess. 30 der 44 Milliarden Euro für Zukunftstechnologien seien für die Elektromobilität bestimmt. Die Abgas-Affäre und die Krise des Dieselmotors machen Investitionen für VW allerdings zu einem Kraftakt. Allein die Beilegung der Abgasaffäre hat den Konzern bisher gut 27 Milliarden Euro gekostet.

Diess räumte zudem ein, dass die Ertragskraft im Automobilgeschäft mit dem Wandel vom Verbrennungsmotor zum E-Auto zunächst abnehme. Jüngst hatte der Konzernchef davor gewarnt, dass die E-Strategie teurer werden könnte als geplant. Man habe sich das Ziel gesetzt, das Innovationstempo zu erhöhen, sagte Diess. Geprüft werde auch die Beteiligung an einer Batteriezellfertigung. Diese Prüfung sei jetzt „sehr viel konkreter“.

In der im Sommer bekanntgewordenen geplanten Partnerschaft mit Ford bei den leichten Nutzfahrzeugen sieht Diess etwa eine Chance, den Pickup Amarok „profitabel“ fortzuführen. Weitere Kooperationsfelder seien identifiziert. Zum Jahresende wolle man den „Kern der Partnerschaft in trockene Tücher“ bekommen. Eine Kapitalbeteiligung oder komplette Fusion sei „nie Ziel der Gespräche“ gewesen.

Ab Ende 2019 will VW die Produktion von E-Autos hochfahren – dann rollt das erste rein elektrische Modell der ID-Familie in Zwickau vom Band. Bis 2025 wollen die Marken des Autobauers zunächst 50 neue vollelektrische Modelle an den Start bringen.

Künftig sollen zudem neben dem Werk in Emden auch am VW-Standort Hannover E-Autos gebaut werden. Während in Emden der Mittelklassewagen „Aero“ und ein noch namenloser Kleinwagen für unter 20 000 Euro in verschiedenen Modellvarianten gefertigt werden sollen, soll in Hannover der elektrische Kleinbus „ID Buzz“ entstehen. Aber auch der „Bulli“ soll dort weiter gebaut gebaut. Zusätzlich soll dort laut Konzernbetriebsrat ein großes Elektrofahrzeug vom Band rollen. Die Investitionen an dem Standort liegen demnach bei über 1,5 Milliarden Euro, in Emden sollen es mehr als eine Milliarde Euro sein, in Wolfsburg 2,7 Milliarden Euro.

Diess erklärte, es werde an den beiden deutschen Standorten in Emden und Hannover keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Zuvor war bekanntgeworden, dass eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 – drei Jahre länger als bislang – vereinbart wurde, um die Umstellung für die rund 9000 Mitarbeiter in Emden und die etwa 14 000 Beschäftigten in Hannover abzufedern.

Gleichzeitig soll die Mitarbeiterzahl dort nach und nach sinken, wobei vor allem Altersteilzeitregelungen genutzt werden sollen. Auf wie viele Mitarbeiter die Belegschaft in Emden langfristig sinken werde, darauf wollte sich der Emder Betriebsratschef Manfred Wulff am Freitag nicht festlegen.

Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Arbeitsplätze von 500 befristet beschäftigen Mitarbeitern in Emden in den kommenden Jahren entfallen werden. Sie erhalten ein Angebot für eine unbefristete Beschäftigung entweder am VW-Standort Kassel oder am Porsche-Standort Zuffenhausen. Zudem sollen alle Betroffenen ein Übergangsgeld bzw. eine Abfindung von 20 000 Euro erhalten. „Wir sind genau so enttäuscht wie die betroffenen Kollegen, aber besser war es nicht hinzukriegen“, sagte Wulff. Insgesamt wertete Wulff das Paket als „klares Bekenntnis des Konzerns für den Standort in Ostfriesland“. Die Zielsetzung sei, dass nach den Umstrukturierungen 300 000 bis 320 000 Fahrzeuge jährlich in Emden vom Band rollen sollen. Zudem soll das Werk zur CO2-neutralen Fabrik werden. „Wir wollen den Wind, den wir hier haben, für uns nutzen“, sagte er.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann erklärte, es sei richtig, dass VW „entschlossen die Elektrifizierung des Antriebs angeht“. Der Wandel werde aber von den Beschäftigten „nur dann positiv begleitet, wenn dabei niemand auf der Strecke bleibt“. Dennoch werde es zum Abbau von Beschäftigung kommen.

Ministerpräsident Weil betonte, in den kommenden fünf Jahren seien allein in Niedersachsen Investitionen von 15 Milliarden Euro vorgesehen. Das Ergebnis der Planungsrunde sei für das Land „von allergrößter Bedeutung“. Er begrüßte die Standortvereinbarungen für Emden und Hannover „ausdrücklich“.

Auch auf seinem wichtigsten Einzelmarkt China will Volkswagen die E-Mobilität voranbringen – allein 2019 sollten mehr als vier Milliarden Euro in E-Autos und Digitalisierung fließen. Bis 2020 seien 30 neue Elektroautos geplant. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Konzernchef Diess ab Januar 2019 im Vorstand auch die Verantwortung für das China-Geschäft übernehmen soll. Dann tritt der bisherige China-Chef Jochem Heizmann in den Ruhestand.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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