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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Mobilität: VW fährt mit neuem Golf vor

25.10.2019

Wolfsburg Volkswagen hat am Donnerstagabend die jüngste Version des Golf vorgestellt. Die inzwischen achte Auflage seines wichtigsten Modells wurde vom Autobauer am Stammsitz in Wolfsburg enthüllt. Die Premiere war mit hohen Erwartungen verbunden: Der Golf 8 spielt neben dem Elektroauto ID.3 eine zentrale Rolle für den größten Autobauer der Welt. Der ID.3 startet im November, im Dezember soll dann der neue Golf auf den Markt kommen.

Wichtigstes Modell

Der Vorgänger Golf 7 war im September 2012 noch vom damaligen Konzernchef Martin Winterkorn präsentiert worden. Das Modell führte unter anderem den Modularen Querbaukasten (MQB) als Plattform auch für andere Fahrzeuge bei der Kernmarke und weiteren Töchtern ein – mit der Verwendung von gleichen Teilen sparte Volkswagen erhebliche Summen und schuf einheitliche technische Standards. Der 8er soll nun vor allem die Digitalisierung und Vernetzung voranbringen. „Die Produkteinführung der kommenden Golf-Generation ist neben der ID-Familie die strategisch bedeutsamste“, betonte Markengeschäftsführer Ralf Brandstätter. Wenn die ID-Serie im November im umgebauten Werk Zwickau in die Produktion geht, steht für VW viel auf dem Spiel.

Das Unternehmen steckt Milliarden in die E-Mobilität, eine hinreichend hohe Nachfrage ist dabei auf längerer Sicht allerdings noch nicht ausgemacht. Der Golf soll als wichtigstes Massenmodell daher weiterhin eine verlässliche Stütze für das klassische Hauptgeschäft bilden.

Es sei richtig, dass VW nun endlich „Vollgas gibt in Richtung E-Mobilität“, sagt Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) in Geislingen. Doch dies gehe nicht von heute auf morgen. „Also braucht man diesen Golf nach wie vor.“

Volkswagen zieht die Produktion mit der neuen Generation nun wieder am Stammsitz zusammen, rund 8400 Menschen arbeiten hier allein am Golf. Zuletzt wurde das Modell neben Wolfsburg auch im mexikanischen Puebla und in Zwickau gefertigt.

Fast 500 000 Stück

Pro Jahr kann VW im Stammwerk laut Produktionsvorstand Andreas Tostmann nach dem Hochlauf bis zu 450 000 Stück bauen – deutlich mehr als im vergangenen Jahr mit rund 320 000 Golf-Modellen. Und VW hat sich was einfallen lassen, um die von Konzernchef Herbert Diess geforderte Produktivitätssteigerung auch mit dem Golf hinzukriegen.

Die Fertigungszeit für einen Golf soll um rund eine Stunde sinken, weil Teile und Verfahren besser ineinandergreifen. Nach Angaben von Tostmann war das Einrüsten der Bänder auch günstiger als zuvor, weil rund 80 Prozent der bestehenden Anlagen weiterverwendet werden können. So musste in der Produktion selbst nur ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag investiert werden – weniger als halb soviel wie beim Vorgänger. Seit dem Start der ersten Auflage 1974 verkaufte Volkswagen weltweit rund 36 Millionen Golf. In die Entwicklung der neuen Generation flossen laut Planungsstand 2018 mindestens 1,8 Milliarden Euro.

Mit reinem Elektromotor wird es den Golf 8 nicht mehr geben. Es sind neben Benziner-, Diesel- und Erdgasmotoren aber verschiedene Hy­bridantriebe im Programm. Der Dieselantrieb werde künftig mit zwei sogenannten SCR-Systemen angeboten, die die Abgase gründlicher reinigen. „Die Stickoxid-Emissionen können so um bis zu 80 Prozent reduziert werden“, sagte Brandstätter zum Vergleich mit dem Vorgänger Golf 7. Zudem seien neue Hybridmotoren im Programm – insgesamt peile man damit eine durchschnittliche Minderung des CO2-Ausstoßes um bis zu 20 Prozent an.

-> Kommentar, Seite 4

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