Wolfsburg - Die Suche von Volkswagen nach einem Standort für ein neues Werk im Ausland ist auf der Zielgeraden. In der engeren Auswahl sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur das EU-Land Bulgarien und die Türkei.

Eine Entscheidung ist demnach noch nicht gefallen – das Thema dürfte aber auch den Aufsichtsrat auf seiner Sitzung nach Ostern beschäftigten, die Entscheidung könnte bei der nächsten Planungsrunde im November fallen.

Das Rennen sei offen, hieß es aus gut informierten Kreisen. In beiden Ländern sind die Personalkosten weitaus niedriger als in Deutschland. Es geht um eine Milliardeninvestition. Der Konzern äußerte sich nicht dazu.

Zuvor hatten die VW-Pläne bereits den Betriebsrat auf den Plan gerufen: Die Arbeitnehmerseite sorgt sich um die Auslastung bestehender Fabriken und rief dazu auf, statt neu zu investieren lieber einen der bisherigen Standorte umzunutzen. Dies könnte eines der Motorenwerke in Salzgitter, im polnischen Polkowice (Polkwitz) oder im ungarischen Györ sein.

Vor allem die Bulgaren machen sich Hoffnungen: Am Tag vor dem Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Sofia Anfang April nahm eine Volkswagen-Besuchergruppe nach dpa-Informationen einen deutschsprachigen Kindergarten in der Hauptstadt unter die Lupe. Auch das gehört zu den Standortbedingungen, die Volkswagen vor einer Entscheidung prüft.


Der Autobauer hatte Mitte November angekündigt, seine Investitionen in Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung in den kommenden fünf Jahren auf knapp 44 Milliarden Euro aufzustocken. Er kündigte auch an, die Produktion des Skoda Karoq und des Seat Ateca solle in ein neues, zusätzliches Mehrmarkenwerk verlagert werden, ein Standort in Osteuropa werde gesucht. Gleichzeitig soll die Passat-Produktion aus Emden zu Skoda Tschechien verlagert werden. Wie berichtet, sollen in Emden ab 2022/2023 mehr und mehr Elektroautos gebaut werden.

Einem Bericht der „Automobilwoche“ zufolge macht die Türkei Druck auf den Autobauer: „Die türkische Öffentlichkeit erwartet, dass VW das Land nicht nur als Absatzmarkt sieht, sondern auch selbst hier produziert“, sagte Alper Kanca, Chef des türkischen Zulieferverbands Taysad, dem Branchenblatt.

Unterdessen wurde aus Wolfsburg bekannt: Der neue Golf 8, die nächste Generation des VW-Dauerbrenners, wird in diesem Jahr in kleinerer Stückzahl produziert als geplant. Zum Marktstart im laufenden Jahr sollten über 10 000 Fahrzeuge von den Bändern rollen – ursprünglich geplant waren 80 000 Stück, wie der „Spiegel“ unter Berufung auf interne Papiere schrieb. Gründe seien Probleme mit der Software und der Elektronik.