WOLFSBURG - In der Volkswagenstadt verwinden sich Politk und Wirtschaft traditionell seit Gründung der Stadt 1938. Denn ohne VW wäre Wolfsburg nicht. Jetzt zeigt sich wieder, wie riskant die Symbiose sein kann. Nach der VW-Affäre um Lustreisen von Betriebsräten ermittelt die Staatsanwaltschaft wieder in Wolfsburg. Jetzt gegen Stadtwerke-Chef Markus Karp (44), weil er veranlasst haben soll, dass Maik Nahrstedt, ein Mitarbeiter des Unternehmens, während der Arbeitszeit Wahlkampf für die CDU in Niedersachsen und in Wolfsburg gemacht haben soll.
Die Vorwürfe, die Nahrstedt, früher Sprecher der Stadtwerke, gegen seinen Freund und Chef Markus Karp sowie die Spitzen der niedersächsischen CDU öffentlich gemacht hat, wiegen schwer: So soll Nahrstedt als Mitarbeiter des kommunalen Energieversorgers nicht nur während seiner Arbeitszeit und mit Geld der Stadtwerke Wolfsburg geholfen haben, Christian Wulff 2003 ins Amt zu bringen. Gleiches habe er für Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) und für die Brandenburgische Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann geleistet. Die Spur der erfolgreichen CDU-Wahlkämpfe führt immer zu Karp.
Dabei schwelt der Streit um den Vorstandschef der Stadtwerke seit Monaten. Schon 2009 hatte Karp veranlasst, anonyme Briefeschreiber zu ermitteln, die behauptet hatten, er verschwende das Geld des Unternehmens. So habe er sich von einem Taxifahrer im Dienstwagen chauffieren lassen und diniere auf Kosten des Betriebs fürstlich.
Vorstandschef Karp schlug zurück und versuchte, mit Speichelproben und Fingerabdrücken die Verfasser zu ermitteln. Einer soll Maik Nahrstedt sein. Deshalb durchsuchte die Kripo bei Karps früherem engen Mitarbeiter und Wahlkampf-Mitstreiter vor kurzem die Wohnung.
Karp ist inzwischen beurlaubt und die Landes-CDU wehrt sich gegen Nahrstedts Unterstellungen. „Die CDU in Niedersachsen hat im Landtagswahlkampf 2002/2003 zu keiner Zeit von Herrn Nahrstedt und seiner Tätigkeit bei den Stadtwerken Wolfsburg profitiert“, betont CDU-Generalsekretär Ulf Thiele. Nahrstedt bleibt dabei: „Ich gehe den Weg zu Ende“, sagt er.
Die Linksfraktion will jetzt, dass der Landtag die Vorgänge untersucht, wie Pia Zimmermann, innenpolitische Sprecherin fordert. Zimmermann stammt aus Wolfsburg und sie kennt die Verhältnisse dort gut. So gut, dass sie weiß, was in Wolfsburg als nicht weiter ungewöhnlich gilt: Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (65) ist nicht nur Chef der Verwaltung, sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens Schnellecke Group, das mit 50 Tochterfirmen glänzende Umsätze weltweit macht – vor allem mit Aufträgen von Volkswagen.
