Magdeburg/Hannover - Viermal hat es Schäfer Torsten Kruse schon erwischt. Viermal hat ein Wolf im vergangenen Jahr seine Tiere in Sachsen-Anhalt angegriffen. Auch in Niedersachsen wurden 2016 viele Nutztiere gerissen, doch könnte die Zahl nach Angaben des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gesunken oder zumindest konstant geblieben sein – trotz einer stetig wachsenden Wolfspopulation.

Bis Ende November gab es 52 Vorfälle, bei denen der Wolf in Niedersachsen als Verursacher sicher oder mit hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt wurde. Dabei wurden rund 120 Nutztiere getötet oder mussten eingeschläfert werden.

Bundesweit gab es im abgelaufenen Monitoring-Jahr (2015/16) 46 Wolfsrudel. In Niedersachsen geht die für das Wolfsmonitoring zuständige Landesjägerschaft von neun Rudeln mit insgesamt 80 Tieren aus – nicht alle von ihnen sind so scheu wie von Experten erwartet. So wurde der im Internet „Kurti“ genannte Wolf MT6 aus dem Rudel bei Munster als bundesweit erster Wolf seit Rückkehr der Tiere legal getötet. Der Rüde wurde Ende April erschossen, nachdem er sogar den angeleinten Hund von Spaziergängern gebissen haben soll. Schäfer Kruse fordert das auch für die Wölfe um seine Weide: „Das sind Problemwölfe, die gehören abgeschossen.“

Auch unter den Bauern werden die Wolfsgegner lauter. Bei der Debatte dürfe es keine Tabus mehr geben, forderte im November Eckehard Niemann, Sprecher des Landesverbands der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen. Das Landvolk hatte nach mehreren Wolfsrissen vor dem Landtag protestiert.

Helmut Dammann-Tamke, CDU-Landtagsabgeordneter und Präsident der Landesjägerschaft, meint: „Wenn wir die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung erhalten wollen, muss es oberstes Ziel sein, den Wölfen zu vermitteln: Halte dich fern vom Menschen und seinen Nutztieren.“


„Die Debatten über eine Aufweichung des Schutzes sind unnötig“, meint Ulrich Thüre vom Nabu Niedersachsen. „Wir fordern von der Politik ein klares Bekenntnis zum Schutz des Wolfes“, betont er, sieht aber auch die Probleme. „Die Entschädigungen für Nutztierhalter müssen unbürokratischer geregelt werden – das ist für die Akzeptanz insbesondere bei Weidetierhaltern unerlässlich.“