Schortens - Sie gehen ihrer täglichen Arbeit nach, gehen in ihrer Freizeit angeln oder tanzen, sie treiben Sport und haben einfach Spaß am Leben. Und 26 von ihnen haben kürzlich ihre erste eigene Wohnung in Barkel bezogen. Als Mensch mit Behinderung hat man es nicht leicht im Leben, ist oft oder gar ständig auf Hilfe angewiesen und kann an vielem nicht so selbstverständlich teilnehmen wie normale Menschen.
Und schon gibt’s Protest: „Normal sind wir hier alle“, korrigiert Lena Gabler, die vor 23 Jahren mit Down Syndrom zur Welt kam und Wert darauf legt, dass man auch „als Downie ganz normal behandelt werden will“. Das fange schon mit der Sprache an.
„Viele Nicht-Behinderte sind oft verkrampft und betont überkorrekt im Umgang mit behinderten Menschen“, meint auch Pia Heuer, Betreuerin bei den Lebenweisen. Der Verein kümmert sich seit vielen Jahren um die Interessen behinderter Menschen, baut die sprichwörtlichen Barrieren ab, die es vielerorts auch in den Köpfen noch gibt und organisiert viele Aktivitäten für seine Schützlinge.
Aber wie lebt es sich in Schortens als behinderter Mensch? Was läuft gut? Wo gibt es Defizite?
Gut läuft die Zusammenarbeit mit vielen Vereinen, sagt Sabine Laube, die sich ebenfalls bei den Lebensweisen engagiert. Es gebe Vereine wie den Modellfliegerclub, die Musikinitiative Schortens oder die Schützen aus Accum, die von sich aus auf die Lebensweisen zukommen und anfragen, ob man mal wieder etwas zusammen unternehmen wolle. Anderen Vereinen müsse man mit dem Ellbogen in die Seite knuffen und auf sich aufmerksam machen. „Aber dann klappt das meist auch mit gemeinsamen Aktionen“, sagt Sabine Laube.
Die jungen Leute mit Behinderungen mögen und vermissen all das, was die nicht-behinderten Jugendlichen in Schortens auch mögen: Sich mit Freunden treffen, am Computer daddeln, Musik hören, auf Konzerte gehen oder in die Disco und natürlich shoppen. Vor einigen Wochen gab es eine barrierefreie Party im „La Vie“ in Jever. „Partys, an denen wir junge Leute mit Behinderung ganz selbstverständlich mitmachen können, müsste es viel öfter geben“, sagt Falko Finkenstädt: „Auch in Schortens.“
Marcel Schmidt, 26 Jahre alt und auf den Rollstuhl angewiesen, interessiert sich für Computerspiele und DVDs – „und das gibt’s ja alles vor Ort“. Waldemar Keterling (31) vermisst „coole Läden, in denen man stylishe Klamotten bekommen kann“.
Gute Noten vergeben die jungen Leute mit Behinderung dem Veranstaltungsprogramm in ihrer Stadt, an dem sie oft und gerne teilhaben. Früher, beim Ferienpass zum Beispiel, war das nicht immer selbstverständlich.
Nicht so gut sieht es mit Kneipen aus, wo man auch nach 22 Uhr mal hingehen könnte. „Eine Cocktailbar“, würde einigen gefallen. Oder ein Kino. Ab und zu fahren sie mit ihren Betreuern nach Wilhelmshaven ins Kino.
Schwer vermisst wird von behinderten Menschen das Schwimmbad. „Bewegung im Wasser ist für Behinderte eine Befreiung“, sagt Pia Heuer. Leider sei das im Moment in Schortens nicht möglich.
