WüSTING - WÜSTING/SO - Post von der Interessengemeinschaft „Industrielle Biogasanlage“ haben die Huder Ratsmitglieder bekommen: Vor der heute um 16 Uhr beginnenden Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, in der es um die Bauleitplanung für die von Helmut Urban vorgesehene Erweiterung seiner Biogasanlage auf eine elektrische Leistung von zwei Megawatt geht, beklagt die Initiative eine „Politik nach Gutsherrenart“, die auf Sorgen der Anlieger keine Rücksicht nimmt.
Welche Bedenken sie haben, verdeutlichen Jochen Pannemann, Jürgen Volkland, Uwe Klingbeil und Hans Sperveslage noch einmal in ihrem Schreiben. Eine industrielle Biogasanlage – als solche sehen sie das Urban-Projekt – zerstöre dörfliche Strukturen. Der Bedarf an Anbauflächen werde zu steigenden Pachtpreisen führen, die die Existenz der vorhandenen landwirtschaftlichen Betriebe beeinträchtigen. „Bei neuen Verträgen wird man bei 680 Euro pro Hektar landen“, sagt Jürgen Volkland. Durch einen 20 Meter hohen Siloturm und eine Halle mit einer Traufhöhe von zwölf Metern werde das Wüstinger Ortsbild negativ beeinflusst. Die Interessengemeinschaft befürchtet, dass Grundstücke durch die Nähe zur Biogasanlage einen Wertverlust erleiden werden.
Nach wie vor vermisst die Interessengemeinschaft ein Konzept, aus dem hervorgeht, wie Privathäuser von der Abwärme-Nutzung profitieren können. „Keiner weiß, was für Kosten auf die Leute zukommen“, sagt Jochen Pannemann. Überdies reiche zur Wärmeversorgung der gemeindeeigenen Gebäude und weiterer privater Interessenten die vorhandene 500-Kilowatt-Anlage völlig aus.
Den ökologischen Nutzen von Biogasanlagen sieht Hans Sperveslage mit Skepsis: Seinen Angaben zufolge könnten alle Biogasanlagen in Deutschland zusammen nicht den jährlichen CO2-Ausstoß eines neuen Braunkohlekraftwerkes kompensieren: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“
WÜSTING/SO - Dass Neid ihn als erfolgreichen Geschäftsmann begleitet, daran hat sich Helmut Urban inzwischen gewöhnen müssen. „Ich habe kein Problem damit“, sagt der Wüstinger Unternehmer, „ich weiß schließlich, was ich geleistet habe“. Was ihn allerdings ärgert, ist der Umstand, dass „vier Rentner“ sein Biogasprojekt torpedieren und aus Urbans Sicht mit „Unwahrheiten“ versuchen, sich bei den Ratsmitgliedern Gehör zu verschaffen. Die Interessengemeinschaft „Biogasanlage“ bestehe im wesentlichen aus diesem Quartett, andere Anwohner – zum Beispiel im Ortbulten – hat Urban selber nach ihrer Meinung gefragt: „Da hat keiner etwas gegen die Zwei-Megawatt-Anlage“.
Warum auch, fragt sich Urban – schließlich biete die Biogasnutzung vielen Vorteile: Landwirte, die Flächen für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen überhaben, erhielten zusätzliche Vermarktungschancen. Pachtpreise würden dadurch nicht in die Höhe getrieben, betont Urban: „Dieses Spiel machen wir nicht mit.“ Stattdessen hat er einen Pachthof in Neuenwege mit 70 Hektar Fläche übernommen und den 57-jährigen Inhaber als Betriebsleiter eingestellt. Die Biogasproduktion schafft darüber hinaus Jobs – fünf von 50 Mitarbeitern bei Urban sind allein damit befasst. „Wir haben bei uns die komplette Entwicklung selber gemacht“. Für das System interessieren sich jetzt auch Fachleute im Ausland. In den nächsten Jahren seien auf diesem Sektor bei ihm 30 bis 40 weitere Arbeitsplätze möglich, sagt Urban.
Der Unternehmer investiert in die Zukunft, aber nicht ins Blaue – deshalb kann er auch noch nicht mit Kostenschätzungen zur Wärmeversorgung der Siedlung aufwarten – „dafür brauche ich erst einmal Planungssicherheit“, sagt Urban. Für die Wärmeversorgung von Feuerwehr, Kindergarten und Bücherei hat er indes ein Konzept vorgelegt: „Das wird sich auf jeden Fall für die Gemeinde lohnen.“
