Wüsting - Hähnchen, so weit das Auge reicht. Einige von ihnen blicken erschrocken auf, wenn man sich ihnen nähert und laufen sofort weg, andere bleiben einfach stehen und scheinen fast keine Berührungsängste zu haben. Einigen von ihnen fehlen Federn im weißen Gefieder. Es ist erstaunlich ruhig in dem Stall, die Luft ist warm, es riecht ein wenig muffig.
„In unseren zwei Ställen leben jeweils fast 40.000 Tiere“, berichtet Dirk Heinemann. Zusammen mit seiner Frau Monika und seinen Söhnen betreibt er ein landwirtschaftliches Familienunternehmen in Wüsting. Am Sonntag öffnete die Familie die Ställe für Besucher.
„Wir wollen den Menschen zeigen, wo ihr Fleisch, das sie essen, herkommt“, erklärt Monika Heinemann die Intention hinter der Aktion. „Jeder kennt die Berichte im Fernsehen, die ein katastrophales Bild über Massentierhaltung vermitteln. Wir wollen zeigen, dass das nicht überall so ist.“
Unterstützt wird die Familie vom Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) und dem Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING), einem Projekt der Universität Vechta, das auch in Oldenburg für die Aktion geworben hat.
Unter dem Motto „Transparenz schafft Vertrauen“ beauftragte die NWG die Universität, herauszufinden, ob sich durch einen Stallbesuch die Einstellung der Menschen zur Geflügelhaltung ändert.
Zu diesem Zweck können die Besucher vor und nach den Führungen Fragebögen ausfüllen, in denen sie zu ihren Erwartungen und Eindrücken befragt werden. „Wir führen diese Untersuchung bereits seit 2013 durch und haben herausgefunden, dass rund 80 Prozent der Besucher nach einer Führung einen positiven Eindruck von der Geflügelhaltung haben“, berichtet Dr. Aline Veauthier vom WING.
Die genauen Befragungsergebnisse der Besucher in Wüsting seien noch nicht ausgewertet. Insgesamt seien circa 1000 Interessierte der Einladung zum Stallbesuch gefolgt, von denen dann etwa 700 im Hähnchenstall gewesen seien, wie Dr. Veauthier am Montag mitteilte. Die Auswertung der Befragung werde etwa drei Wochen dauern.
Ein erster Eindruck von Monika Heinemann fällt sehr positiv aus. „Wir wussten natürlich nicht, was auf uns zukommt“, sagte die Landwirtin, die ausdrücklich auch Gegner der Massentierhaltung aufgefordert hatte, den Stall zu besichtigen. „Insgesamt war die Stimmung sehr gut.“
Kritik habe sie kaum zu hören bekommen. „Viele Besucher haben sich gefreut, dass wir unsere Türen öffnen.“ Eine häufige Frage sei gewesen, warum die Hähnchen kahle Stellen im Gefieder hätten und ob sich die Tiere gegenseitig picken. „Das ist nicht der Fall“, erklärt die Landwirtin. Die kahlen Stellen seien auf einen Gefiederwechsel zurückzuführen.
Besucherin Kristiane Helter war nach dem Stallbesuch nicht überzeugt: „Ich finde die Zustände im Stall desaströs“, sagte die Wildeshauserin. Sie bemängelte fehlende Feinstaubfilter und den Zustand der Tiere. Fleisch von hier würde sie nicht essen.
Ganz anderer Meinung war Holger Wieting aus Wüsting. „Ich habe die ruhige Atmosphäre im Stall als sehr positiv empfunden“, sagte der 48-Jährige. Der Stall selbst sei sauber und die Tiere hätten auf ihn einen ruhigen und zufriedenen Eindruck gemacht. Die Massentierhaltung, die hier im angemessenen Rahmen betrieben werde, sieht er als nötiges Mittel, um gute Lebensmittel zu günstigen Preisen anbieten zu können.
