WüSTING - Batterie eingebaut, Diesel aufgefüllt und eine Runde gefahren. Dann stand für Dirk Pieper aus Wüsting fest, für diesen Lanz-Bulldog mit Baujahr 1958 würde er eine Menge Arbeit auf sich nehmen. Der Kfz-Mechanikermeister mit eigener Autowerkstatt am Barkmeyersweg hatte sich in den alten, grün-gelben Ackerschlepper „verschossen“.
Dirk Pieper war aber nicht der Besitzer des Lanz-Bulldog der Baureihe 2416. Sein Bekannter Günter Suhr hatte den Trecker 1965 gekauft und ihn fast sein Leben lang laufen lassen. Verkaufen wollte er nicht. „Ich habe ihm dann ein Angebot gemacht: Ich würde den Trecker abholen, ihn restaurieren und dann wieder in seinen Schuppen stellen“, sagt Dirk Pieper. Die Bedingung: Wenn Günter Suhr das restaurierte Stück nicht mehr haben wolle, müsse er es an Dirk Pieper zurückgeben. Günter Suhr willigte ein und es ging 1999 an die Arbeit.
Dirk Pieper machte zwei spannende Entdeckungen. Zum einen war der Lanz-Bulldog fast auf den Tag genau so alt wie er selbst. Dirk Pieper wurde am 15. Februar 1958 geboren, der Ackerschlepper am 10. Februar 1958 gebaut. Zum anderen entdeckte Dirk Pieper an einigen Stellen unter der grün-gelben Lackierung die für Lanz-Bulldog typisch blaue Farbe. Für Pieper stand fest, der Trecker mit seinem Einzylinder-Zweitakt-Dieselmotor und 2,7 Litern Hubraum würde am Ende wieder in strahlendem blau auf der Straße fahren.
Der Mechaniker baute sämtliche Teile ab und auseinander. Bei den Blecharbeiten fand er tatkräftige Unterstützung in Torsten Micke, bei Elektroarbeiten mit Hergen Strodthoff aus Oldenburg einen ausgezeichneten Fachmann. Die großen Felgen ließ er bei einer Firma in Hannover nachbauen.
Ein Blick in die Fachzeitschrift „Schlepper-Post“ entpuppte sich für Dirk Pieper als Glücksfall. Auf der Suche nach neuen Aufstiegsgussplatten machte er Bekanntschaft mit Franz Pott, dem „Lanz-Bulldog-Freak“ schlechthin aus Vinsebeck im Teutoburger Wald. Pott sammelte die alten Bulldogs. „In einer Halle standen 25 Stück meiner Baureihe. Ich wäre fast vom Glauben abgefallen“, erinnert sich Dirk Pieper an seinen Besuch. Dirk Pieper kaufte alle Sachen, die nicht mehr reparabel waren. „Das war praktisch ein Rundumsorglospaket“, so Pieper.
Nach drei Jahren war dann Piepers Gesamtkunstwerk fertig und für den Straßenverkehr zugelassen. Dirk Pieper setzte sich hinters Lenkrad und brachte das Schmuckstück wie vereinbart zu Günter Suhr zurück. Der Trecker stand allerdings nur vier Wochen bei Günter Suhr. Grund: Die ruckenden Bewegungen bereiteten Suhr Rückenschmerzen, so dass er nicht mehr mit dem Lanz-Bulldog fahren wollte. „Günter sagte zu mir, ich könne den Trecker sofort wieder abholen. Seitdem bin ich stolzer Besitzer und Mitglied bei den Treckerfreunden Wöschenland.“
