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Serie Vom Bauerndorf zum Wohnort

WüSTING - Es ist gar nicht so lange her, da war Wüsting noch eine eigene Gemeinde. Erst zum 1. Juli 1972 wurde es nach Hude eingemeindet, umfasste bis dahin die Ortschaften Holle, Oberhausen, Hemmelsberg, Grummers­ort, Holler-Neuenwege, Teile von Tweelbäke und Wraggenort. Spricht der Ortsunkundige heute von Wüsting, meint er meistens den eigentlichen Ortskern am Bahnhof – und das darum herum liegende Wraggenort.

Am Bahnhof treffen sich an diesem Nachmittag zwei Männer: Heinz Steinmüller (62), der Vorsitzende des Bürgervereins, und Siegfried Hoffmann (72), einer von Steinmüllers Vorgängern und seit 1976 der Bezirksvorsteher von Wrag­gen­ort. Denn der Bahnhof liegt nicht nur im geografischen Zentrum Wüstings – sondern häufig auch im Mittelpunkt des Interesses. Gerade erst hat die Nordwestbahn den lange gewünschten zweiten Fahrkartenautomaten installiert (die

NWZ

  berichtete), aber auch im Bereich der Bahnschranke sehen die Wüstinger schon seit vielen Jahren Handlungsbedarf. Viel zu eng ist aus ihrer Sicht die Kurve, wenn Fahrzeuge von der Bahnhofs- nach rechts in die Hauptstraße abbiegen.

Hoffmann und Steinmüller deuten auf den Bürgersteig an der Straßenecke, wo der Gummi-Abrieb der Autoreifen deutlich zu sehen ist. „Die fahren hier alle über den Bürgersteig“, bemängeln die beiden, es sei ein „gefährlicher Bahnübergang“. Schon häufig hätten Fußgänger abbiegenden Lkw aus dem Weg springen müssen. „Eine zweite Schranke für Fußgänger und Radfahrer wäre wichtig für uns“, sagt Steinmüller, „da lassen wir nicht locker.“

1800 Einwohner

Ticket-Automat, Bahnschranke, Temporeduzierung im Ort oder die Teilnahme beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ – keine Frage, die Wüstinger und ihre Vereine sind engagiert. Sie arbeiten für einen Ort im Wandel. Rund 1800 Menschen leben im Zentrum und in Wraggenort, und es werden immer mehr. Viele Menschen zieht es aufs Land – und damit in die Wüstinger Neubaugebiete. „Früher war Wüsting ein reines Bauerndorf“, erklärt Hoffmann. „Als ich 1976 Bezirksvorsteher geworden bin, hatte ich noch zwölf aktive Bauernhöfe zu betreuen. Heute sind nur noch zwei Höfe übrig, es ist ein reines Wohndorf geworden.“ Auch Gewerbebetriebe gebe es – es könnten aber ruhig noch mehr werden, sagt der 72-Jährige. „Da ist leider noch nicht so viel passiert, wie wir gerne hätten.“

Für das Dorfleben ist der rege Zuwachs nicht immer einfach zu bewältigen. Es fehle ein fester Zusammenhalt, bedauert Steinmüller, viele Neubürger hätten wenig Interesse an den Vereinen und der Gemeinschaft. „Da die Leute unter einen Hut zu kriegen, ist sehr schwer.“

Dabei seien die Vereine engagiert und kämpften um Nachwuchs, Bezirksvorsteher Hoffmann bietet für Neubürger regelmäßig Ortsbegehungen an, die auch gut angenommen würden. Und dass die Wüstinger Neuzugezogene mit offenen Armen aufnehmen, wissen beide aus eigener Erfahrung: Steinmüller lebt seit 2000 in Wüsting, Hoffmann seit 1974. „Hier werde ich wohl alt und grau werden“, sagt Steinmüller und lacht. „Als ich hierher gekommen bin, bin ich von den Wüstingern herzlich aufgenommen und gleich in die Gemeinschaft integriert worden – was man als Stadtmensch gar nicht kannte.“ Zuvor hatte der gebürtige Wilhelmshavener in Oldenburg gewohnt.

„Armer Stadtmensch“

Bei Hoffmann war es ähnlich. „Es gab immer Leute, die einem unter die Arme gegriffen haben.“ Zum Beispiel beim Pflügen des erworbenen Grundstücks. „Die haben gesagt: Der arme Stadtmensch, der hat sowieso keine Ahnung“, scherzt Hoffmann, der wie Steinmüller zuvor in Oldenburg gewohnt hat.

Dieses Gemeinschaftsgefühl „möchten wir auch Neubürgern vermitteln“, sagt Steinmüller. Gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen – die beiden Männer hoffen auf wachsende Zusammengehörigkeit. Zum Beispiel beim ersten Flohmarkt im Wüstinger Ortskern am Sonntag, 17. April, 11 bis 17 Uhr. Kurzfristige Anmeldungen sind noch möglich: Telefon 0 44 84/21 20 09.

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