Bad Zwischenahn - „Mehr Mut zu Signalen, dass wir mit Menschen aus aller Welt zusammenleben wollen“, fordert der frühere Bundespräsident Christian Wulff. „Nur wenn wir die Vielfalt hinbekommen, werden wir Erfolg haben“, lautete am Donnerstag sein Plädoyer für einen offenen Umgang mit Zuwanderung – und eine positive Einstellung: „Wir packen das.“

Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen-Bremen (VDW) hatte Wulff zum „Zwischenahner Gespräch“ eingeladen. Zum 34. Mal tauschen sich Experten im Kurort über aktuelle Themen der Branche aus. Und diesmal habe man unter dem Titel „Einwanderungsland Deutschland: Herausforderungen und Perspektiven“ ein „brandheißes Thema der politischen Gegenwart“, betonte Verbandsdirektor Heiner Pott. Seine Branche habe „ein fundamentales Interesse, dass die Aufgabe gesamtgesellschaftlich vernünftig gelöst wird“. Es bedürfe einer Diskussion, was zu tun sei, um die Chancen der Zuwanderung zu nutzen und deren Risiken zu vermeiden.

Wulff betonte auch, dass es „kein Erfolgsrezept für Inte-gration“ gebe. Dass diese nicht nur eine Frage der Staatsangehörigkeit und Sprache sei, zeigten die Probleme in Frankreich. Dass es in Deutschland die größten Vorbehalte gegenüber Zuwanderern in Sachsen gebe, liegt seiner Meinung nach an „fehlenden Positiverfahrungen“. Miteinander und Kontaktmöglichkeiten statt Separation – Wulff sprach sich deutlich für eine dezentrale Unterbringung der Zuwanderer aus – und da sei auch die Wohnungsbranche gefragt.

Wulffs Frage, ob die Menschen bei dem Thema derzeit genügend mitgenommen würden, beantwortete Professor Jochen Oltmer (Uni Osnabrück): „Weder auf bundesdeutscher noch auf europäischer Ebene lässt sich gegenwärtig der Wille ausmachen, ein migrationspolitisches Gesamtkonzept zu entwickeln.“

An diesem Freitag setzt der Verband seine Tagung fort. Zum Abschluss wird Michel Friedman über „Einwanderungsland Deutschland: Bereicherung oder Bedrohung“ sprechen.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)