WUNSTORF - Das Wetter war extrem, die Ernte mäßig: 2010 mussten die niedersächsischen Landwirte zum Teil deutliche Ertragseinbußen hinnehmen. Schuld sei das Wetter, sagte Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bei der Präsentation der Erntebilanz am Donnerstag in Wunstorf (bei Hannover). Langer Winter, kühles Frühjahr, gefolgt von trockener Hitze und einem nassen Spätsommer: „Das war eine an den Nerven zerrende Geschichte“, urteilte der Kammerpräsident. Auch die Qualität der Ernte habe gelitten.
Insgesamt falle die Erntebilanz „durchwachsen“ aus, so Meyer zu Wehdel. Immerhin: Die sinkenden Erträge ließen die Preise wieder ansteigen. Den Weizen konnten die Landwirte für 181 Euro pro Tonne absetzen – ein Plus von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beim Roggen waren es sogar 76 Prozent (167 Euro/Tonne). Dies müsse man aber in Relation sehen. „2009 hatten wir dramatisch niedrige Preise“, sagte Meyer zu Wehdel. Laut Kammer-Sprecher Walter Hollweg lägen die aktuellen Preise etwa auf dem Niveau von 2008.
Die Kartoffel habe besonders unter dem Wetter gelitten, bilanzierte Meyer zu Wehdel. „Unsere Kartoffel hat es mit Wucht erwischt.“ Die Erträge lägen mit 38,2 Tonnen pro Hektar gut 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Mit einer voraussichtlichen Erntemenge von 4,25 Millionen Tonnen bliebe das Gesamtergebnis um fast ein Viertel hinter 2009 zurück. Probleme bereite auch die Qualität der Kartoffeln. „Sie fallen in diesem Jahr deutlich kleiner aus.“ Doch auch hier zögen die Preise an: Mit bislang 181 Euro pro Tonne Speisekartoffeln bekämen die Landwirte 69 Prozent mehr als 2009. Niedersachsen bleibe mit 111 000 Hektar Anbaufläche die wichtigste deutsche Kartoffelregion.
Ebenfalls mittelmäßig falle die Getreidequalität aus. Gerste sowie vor der Schlechtwetterperiode geernteter Roggen und Weizen verfügten über relativ gute Qualitäten. Aufgrund des Wassermangels blieben die Körner jedoch „mickrig“. Anders bei der spätere Ernte: Etwa die Hälfte bis fast zwei Drittel des geernteten Weizen und Roggens hätten keine Brotgetreide-Qualität und reichten nur noch für den Futtertrog.
Insgesamt seien in Niedersachsen 860 000 Hektar Getreide angebaut worden – ein Minus von gut fünf Prozent im Vergleich zu 2009. Die Ernte fiel mit 5,87 Millionen Tonnen um 13 Prozent geringer aus. Auf mehr als der Hälfte der Anbaufläche (441 000 ha) werde Winterweizen angebaut. Hier lägen die Erträge mit 3,48 Millionen Tonnen sieben Prozent unter 2009.
Die Rapsfläche sei um fünf Prozent auf 132 000 Hektar gewachsen, allerdings habe man mit 536 000 Tonnen einen um vier Prozent reduzierten Ernteertrag hinnehmen müssen. Der Ertrag pro Hektar sei um neun Prozent gesunken.
Wurden bei der Zuckerrübe 2009 noch 70 Tonnen pro Hektar Anbaufläche geerntet, waren es 2010 laut Meyer zur Wehdel nur 62,5 Tonnen (minus 11 Prozent).
Deutlich gewachsen sei die Maisanbaufläche: um 12 Prozent auf 546 000 Hektar. Auf 455 000 Hektar davon werde Silo-Mais angebaut (plus 15,2 Prozent). Dieser Zuwachs gehe überwiegend auf das Konto der Biogaserzeugung.
