Hannover/Bad Zwischenahn - „Verwechslungsgefahr“ lautet noch die mildeste Kritik der Landwirtschaftskammer. Niedersachsens Bauern sprechen knallhart von „Verbrauchertäuschung“. Der heftige Streit um die neue Welle in den Lebensmittelläden mit „Frikadellen“ aus Soja, „veganen Würstchen“ und „Schnitzel“ aus Ersatzstoffen – alles ohne Fleisch – erreicht den Landtag. Im Ausschuss für Verbraucherschutz prallen am Mittwoch Welten aufeinander – ausgelöst durch einen Antrag der CDU „Fleisch bleibt Fleisch und Wurst bleibt Wurst“. Die Union fordert eine klare Kennzeichnung von „Imitaten“. „Produktbezeichnungen wie ,Veggie-Fleischsalat’ führen den Verbraucher in die Irre“, zürnt der CDU-Experte Frank Oesterhellweg.

Unterstützung kommt vom Landvolk in Niedersachsen. „Das sind keine Fleischprodukte, sondern Palmöl mit Soja-Schrot“, klagt Hubert Kellner: „Edelprodukte werden durch Worthülsen ersetzt.“ Auch den Fleischerverband mit 600 Betrieben und 1500 Wurstsorten plagen große Sorgen. „Jede Wurst muss strenge Mindestvorgaben erfüllen, aber wenn ,vegan‘ davor steht, gibt’s nicht eine einzige Qualitäts-Richtlinie“, kritisiert Verbandschefin Isabell Dohm.

Das Oldenburger Landesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) nimmt’s gelassener. Die neuen Produkte seien mittlerweile „in aller Munde“ und Verwechslungen kaum möglich. Nur bei „vegetarischen Brathähnchen“ würde Laves intervenieren. Alles eine Frage der Zeit. China hat längst „vegetarische Enten nachgebaut“, bestätigen Experten.

Niedersachsens Verbraucherschutzzentrale fordert eine „ganz klare Kennzeichnung“. Diese Meinung teilen im übrigen laut Umfrage 78 Prozent der Verbraucher.

Der Vegetarierbund sieht dagegen „keine direkte Irreführung“. Und erhält Unterstützung von der „Rügenwalder Mühle“ in Bad Zwischenahn. 80 Millionen Packungen mit vegetarischen Schnitzeln und Frikadellen hat das Unternehmen schon verkauft, sagt Godo Röben: „Und wir haben null Reklamationen erhalten.“ An den neuen Produkten hingen mittlerweile „150 Arbeitsplätze“. „Es geht um die Weiterentwicklung der Wurst“, beschwört Röben die Abgeordneten.