Mit meinem heutigen Gesprächspartner Helmut Loewenstein habe ich mich im beliebten Café Loewenstein in Hohenböken getroffen. „Wo wir jetzt sitzen, haben vor einigen Jahren noch Kühe gestanden“, erzählt er mir. Jetzt gibt’s hier Kuchen statt Kühe: Zusammen mit seiner Ehefrau Hilde betreibt Helmut Loewenstein das „Landcafé Loewenstein“ bereits seit April 2000. „Seitdem ich Rentner bin, bin ich hier Hausmann, Hausmeister, Gärtner, Putzkraft und Tellerwäscher“, erzählt Helmut mir zu Beginn.
Ganz stolz ist er auf sein Geburtsdatum, denn am 23. Mai 1949, als er das Licht der Welt erblickte, trat auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland offiziell in Kraft. Zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern ist Helmut in Maibusch in der Gemeinde Hude aufgewachsen. Dort hatten seine Eltern eine kleine Landwirtschaft und sein Vater war im Hauptberuf Stellmachermeister. „Hein mach geern in Schieten klei’n“, wie oft hat Helmut diesen Satz über sich von seinem Vater gehört. Für „Hein“, so wurde Helmut von seinem Vater genannt, gab es nichts Schöneres, als zum Beispiel einen kleinen Bach anzulegen und dort zu spielen. Mit der Hand wurden Fische oder sogar Aale gefangen. „Wenn es regnete, war ich immer draußen“, erzählt Helmut mir.
In der Volksschule in Hude wurde Helmut auch „Friedensrichter“ genannt. „Um der Gerechtigkeit Nachdruck zu verleihen, habe ich mich auch schon das eine oder andere Mal geprügelt“, gibt er offen zu. Schließlich musste er sich auch zu Hause gegen zwei ältere Brüder durchsetzen. Sein Vater hätte ihn nach der Schulzeit gerne bei der Bahn oder bei der Post gesehen. „Ich wollte kein Stubenhocker werden und so habe ich Zimmermann gelernt“, erzählt Helmut mir.
Nach der Beendigung seiner Lehrzeit 1968, arbeitete er noch kurze Zeit als Zimmermann weiter, bevor er zu einer anderen Firma wechselte und als „Einschaler“ wesentlich mehr Geld verdienen konnte. „Wenn ich bei einer Firma nicht zufrieden war, habe ich kurzerhand gewechselt. Das war damals noch möglich“.
So kam es, dass Helmut Loewenstein im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit bei zehn verschiedenen Firmen angestellt war. Bei seinem letzten Arbeitgeber, Mercedes in Bremen, hielt er es fast 20 Jahre aus. „Auch ich wurde älter und dann will man auch nicht mehr immer mit dem „Kopf durch die Wand“, gesteht er schmunzelnd.
Da seine beiden Brüder in der Freiwilligen Feuerwehr Hude waren, trat Helmut ebenfalls dort ein. Auf dem Feuerwehrball oder bei Kohlfahrten wurden immer Theaterstücke oder Sketche vorgetragen. Helmut, ein begeisterter Plattdeutscher, fing an, für diese Abende selber Stücke zu schreiben. Helmut Loewenstein hatte soviel Spaß am Schreiben, dass beim Theaterverlag Mahnke in Verden mittlerweile mehrere Ein- und Mehrakter von ihm verlegt worden sind. „Gerade in Schleswig-Holstein hat ein Feuerwehrball noch große Tradition und weil einige meiner Stücke die Feuerwehr zum Thema haben, werden diese dort auch häufiger aufgeführt“, erzählt Helmut mir.
Seit 1983 steht er bei der Speelkoppel Bookholzberg als Schauspieler auch auf der Bühne. Eine seiner Lieblingsrollen spielte er im letzten Jahr als Opa Rudi in „De vermasselte Hochtiet“. Auch im Café Loewenstein unterhält er zusammen mit seiner Partnerin Annegret Peters häufig die Gäste mit plattdeutschen Sketchen. Am 1. und 15. Dezember ist es wieder soweit.
Das jetzige Café ist das Elternhaus seiner Ehefrau Hilde. „Wie hast Du Hilde eigentlich kennengelernt“, wollte ich wissen. „1967 hatte mich mein Freund zu einer Fete eingeladen.“ Ebenfalls von ihm eingeladen wurde eine gewisse Hilde Störmer. Auf dieses hübsche Mädel hatte sein Freund ein Auge geworfen. „Aber ich war schneller“, sagt Helmut nicht ganz ohne Stolz. 1970 wurde geheiratet und im selben Jahr wurde Sohn Sven geboren. 1971 und 1979 kamen noch die beiden anderen Söhne Marco und Thomas dazu.
Da Hilde einziges Kind ihrer Eltern war, zog die junge Familie Loewenstein 1974 zu den Schwiegereltern nach Hohenböken. Da diese eine kleine Landwirtschaft hatten, war es selbstverständlich, dass Schwiegersohn Helmut nach Feierabend auf dem Hof mithelfen musste. „Landwirtschaft ist nicht so mein Ding“, verrät Helmut mir. Nachdem 1994 die Landwirtschaft aufgegeben wurde, kam Hilde auf die Idee, das Haus zu einem Café umzubauen. Seit dem ersten Tag gibt es hier Hildes selbstgemachten Kuchen, den die Gäste über alles schätzen. Helmut Loewenstein unterstützt seine Frau in jeder Beziehung. „Wenn Hilde aus dem Café kommt, steht das Essen auf dem Tisch“, verrät er mir.
„Hast Du noch Wünsche“, wollte ich zum Abschluss gerne wissen. Die hat er: „Dass wir noch lange hier zusammen aktiv sein können und dass eines meiner Theaterstücke einmal von einer großen Bühne gespielt wird.“
Helmut Loewenstein, Rentner, Café-Besitzer sowie plattdeutscher Stückeschreiber und Schauspieler
