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Pädagogik Zeit vor dem Bildschirm begrenzen

Peter Kratzmann

Neerstedt - Es ging um Neuronen. Alle Menschen erhalten sie als genialen Schatz bei der Geburt mit dem Gehirn. Ihre Nutzung bestimmt die Entwicklung vom Baby zum Kleinkind, Jugendlichen und Erwachsenen. Davon berichtete Medienpädagoge und Filmemacher Wilfried Brüning am Dienstagabend in der Aula der Grundschule Neerstedt bei einem ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortragsabend. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Pädagogik und Präventionsrat der Gemeinde Dötlingen.

Unter der provokanten Überschrift „Mit fünf habe ich meine Fantasie an Nintendo verkauft“, versuchte der Medienpädagoge darzustellen, warum einseitiger Bildschirmmedienkonsum negative Folgen für die kindliche Entwicklung hat.

Neben den positiven Seiten des Internets, mit frei zugänglicher Information und Vernetzung rund um den Globus, seien auch die negativen Folgen unübersehbar, so Brüning. Vieles sei mit der Technik einfacher, wie zum Beispiel das Filmemachen. Doch es gebe auch die Kehrseite der Medaille. Internet, TV und Computerspielgeräte ließen Kinder zu lange vor dem Bildschirm sitzen. „Das hat Folgen“, so der Referent.

Beispiel Zitrone

In der Vortragsveranstaltung band Brüning das Publikum in seine Ausführungen ein und berichtete von den neuesten Ergebnissen aus der Gehirnforschung. Den Unterschied zwischen dem kreativen, erlebten Erfahren und einer Information in digitaler Form verdeutlichte Brüning in einem mit dem Publikum gemachten Versuch. „Lukas“ aus dem Publikum erhielt die Aufgabe, eine Zitrone zum ersten Mal in seinem Leben zu erfahren. Erfühlt wurde die Form, der Geruch, Geschmack und auch die optische Wahrnehmung. Bis auf das Gehör waren alle Sinne eingespannt. Festgehalten wurde dieses in einer Grafik. Es ergab sich eine Vernetzung unter den Wahrnehmungen.

Gleichzeitig wurden die einzelnen Stationen des Erfahrens über eine Videokamera auf eine Leinwand übertragen. Von dort holte sich das Publikum die Information. Spätestens hier wurde klar, dass nur passiv erfahren wurde. Die eigenen Sinne waren bis auf das Sehen und Gehör nicht eingespannt. Das Gehirn, die Neuronen, wurden weitaus weniger gefordert. In der grafischen Darstellung ergab sich keine Vernetzung.


Brüning: „Genau das passiert mit ihren Kindern, wenn sie zu lange und zu oft Fernsehen, Computerspiele oder andere Medien konsumieren.“ Das nach Information suchende Gehirn werde nicht genügend gefordert. Bleibe der Konsum unbegrenzt, entstehe nachweislich eine Unterforderung des Gehirns. Bestimmte Bereiche würden nicht gefordert und verkümmern. Eine „schleichende Verblödung“ setzte ein, so Brüning und weiter: „Es geht nicht um die Verteufelung der neuen Medien. Es geht darum, Kinder so zu stärken, dass sie über die Nutzung der Medien selber entscheiden lernen.“

Konsum begrenzen

Nicht alles Mediale sei schädlich: Das leise Musikhören bei den Hausaufgaben gehöre nicht dazu, so der Referent. Es entspanne sogar. „Begrenzt werden muss der Bildschirm-Medien-Konsum. Kaufen sie ihrem Kind kein Nintendo-Gerät und keine Playstation, sondern lieber eine Video-Kamera, mit der Filme gemacht werden, die gemeinsam geschaut werden können oder die digitale Fotokamera, mit der ein Fotobuch für die Oma zu Weihnachten zum tollen Geschenk wird“, riet Brüning. „Auf jeden Fall ist es wichtig, den Bildschirm-Medien-Konsum auf ein Minimum zu begrenzen.“

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