ZETEL - „Es gibt keine Disco in Deutschland, die ich nicht kenne“, sagt Hermann Wilkenjohanns selbstbewusst. Kein Wunder, lautet seine Devise doch: Immer am Ball bleiben, um am Markt bestehen zu können. Selbst im Discotempel „Studio 54“ in New York ist der 64-Jährige gewesen. Das war in den 70er Jahren, als er das Tanzlokal Wilkenjohanns in Zetel von seinem Vater übernahm und zur heutigen Großraumdiscothek „Mark 4“ ausbaute. Die betreibt er zusammen mit seiner Tochter Jeannette Wilkenjohanns (38). „In diesem Jahr wird das Tanzlokal Wilkenjohanns, das jetzt in der dritten Generation geführt wird, 100 Jahre alt“, erzählt Hermann Wilkenjohanns mit Stolz. „Zum Zeteler Markt wird das gebührend gefeiert. Dazu wird die Disco geöffnet.“
Discos von Krise erfasst
Trotz Jubiläumsfreude ist ihm klar, dass die Wirtschaftskrise auch die Unterhaltungsgastronomie erfasst hat. Darüber hinaus kennt Wilkenjohann weitere Faktoren, die dem Gewerbe zu schaffen machten und weshalb er nicht mehr so oft wie früher andere Discotheken besucht, da kaum noch neue eröffnet werden. Das Nichtrauchergesetz und die hohen Benzinpreise wirkten sich negativ auf den Besucherstrom aus. „Früher sind die jungen Leute 100 Kilometer bis zur nächsten Disco gefahren, heute nur noch die Hälfte“, erklärt der Zeteler. Im ersten Halbjahr 2009 seien die Besucherzahlen um 30 Prozent zurückgegangen. Darunter litten auch Agenturen, DJs, der Getränkehandel sowie Licht- und Soundausstatter. Wilkenjohanns: „Ich hoffe, dass es zum Jahresende wieder besser aussieht.“
Darüber hinaus habe sich das Ausgehverhalten der Hauptkundschaft im Alter zwischen 18 und 25 Jahren verändert. Nach den Erfahrungen von Jeannette Wilkenjohanns gehen Jugendliche und junge Erwachsene heute nicht mehr so häufig aus, dafür aber zielgerichteter. Sie würden sich übers Internet genau informieren und nach günstigen Veranstaltungen suchen. Heute müsse eine Discothek immer ein Programm bieten, weil die Erwartungshaltung der jungen Gäste deutlich gestiegen sei.
Der Freitag sei als Partytag schwierig geworden, weil viele Leute nicht selten zwei Jobs hätten und sonnabends arbeiten müssten. Das „Mark 4“, das eine Kapazität von 1800 Besuchern hat, ist freitags und sonnabends sowie vor Feiertagen geöffnet. Es bestehe auch der Trend, zunehmend später zu kommen und länger zu bleiben. Deshalb öffnet das „Mark 4“ um 21.30 Uhr zunächst der „Scouter Club“ und um 23 Uhr die Hauptdisco.
„Discos sind Kulturgut“
Hermann Wilkenjohanns betrachtet Diskotheken genauso wie Opernhäuser, Kinos, Museen und Theater als Kulturgut. Selbst wenn der Boom der 80er Jahre mit Discotheken, die ein Fassungsvermögen von bis zu 3000 Gästen hatten, auch wegen eines gesättigten Marktes und einer älter werdenden Bevölkerung nicht wiederkommen werde, sieht er gute Chancen für die Zukunft. „Ich glaube, kleinen Discotheken und Clubs mit zwei Eventbereichen gehört die Zukunft.“
Die gehört auch der vierten Generation der Wilkenjohanns. Der Steppke der Familie, der jetzt eingeschult wird, tanzt derzeit aber nur im „Mark 4“, wenn die „Kinderdisco“ im Rahmen des Zeteler Ferienpasses öffnet.
www.mark4.de
