ZETEL - In Neuenburg und Zetel stehen 955 bemerkenswerte Bäume auf privatem und öffentlichem Grund, die die Gemeinde in einem Baumkataster hat erfassen lassen und schützen möchte. Eine Baumschutzsatzung will die Gemeinde aber nicht erlassen, weil sie befürchtet, dass Privatleute vor Inkrafttreten zur Säge greifen. Das ist am Dienstagabend im Umwelt- und Planungsausschuss sowohl von Kommunalpolitikern als auch von Bürgermeister Heiner Lauxtermann betont worden.
Bürger werden informiert
Mit einer Baumschutzsatzung schreibt eine Gemeinde für private Grundstückseigentümer die Voraussetzungen fest, unter denen sie Bäume auf ihrem Grundstück fällen dürfen. Damit soll vor allem der für das Stadtbild und Stadtklima wichtige ausgewachsene Baumbestand geschützt werden.
Die Gemeinde will die Bürger nun über das neue Baumkataster informieren und Hilfestellungen anbieten, wenn Bäume beschnitten werden müssen. In Zetel wird auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Bürger gesetzt, die Bäume zu schützen. Nach Aussagen des Ersten Gemeinderates Bernd Hoinke rufen viele Leute vorher bei der Gemeinde an, wenn sie einen Baum beschneiden oder fällen wollen. Das sei aber nicht immer der Fall, wie ein Bürger aus dem Baugebiet Ehmkenburg in Zetel berichtete. Dort würden Anwohner nach eigenem Ermessen auch geschützte Bäume beschneiden.
Dr. Tim Rosskamp hat das Baumkataster im März/April 2010 erstellt. Er hat alle wertvollen Gehölze erfasst, die einen Brusthöhendurchmesser von mindestens 40 Zentimeter haben. Schnellwachsende Weichholzarten (Pappeln, Weiden, Birken) sowie Nadelbäume wurden nur in Ausnahmefällen aufgenommen. Die Standorte der Bäume wurden mit den Eigentümerdaten der Grundstücke verknüpft. Im Bereich Süpkenhorn steht der überwiegende Teil der erfassten Bäume auf Wällen und hat dadurch einen Schutzstatus.
Der Schlossgarten in Neuenburg ist der Höhepunkt, schwärmte Rosskamp über die zahlreichen alten Bäume dort. Insgesamt hat er in den Ortschaften Neuenburg und Zetel 955 Bäume erfasst, 664 davon in privatem Besitz. Bei den meisten Bäumen handelt es sich um Stieleichen, nämlich 420. Ferner gibt es 177 Linden, 101 Rosskastanien, 98 Rotbuchen, 39 Roterlen, 32 Eschen, 19 Ahorne sowie weitere einzeln Baumarten, darunter auch Exoten wie ein Küstenmammut, ein Französischer Ahorn und eine Weiße Hickorynuss.
68 Bäume sehr gut
83 Bäume sind nach Aussagen von Rosskamp in sehr gutem Zustand, 804 in guter bis durchschnittlicher Verfassung, 68 Gehölze in sehr schlechtem Zustand, darunter auch viele am Markthamm.
55 Bäume haben einen Stammdurchmesser von mindestens einem Meter. Den dicksten Baum mit einem Brusthöhendurchmesser von 1,80 Meter entdeckte Rosskamp am Achterweg in Zetel. Es handelt sich um eine mächtige Rotbuche. Rosskamp: Das ist wohl Zetels schönster Baum.
