ZETEL - Monatelang hatte Jörg Katins gespart, dann war es endlich soweit: Mit 32,50 DM ging der Berliner Junge 1965 ins Kaufhaus des Westens und kaufte sich eine Levi’s 501. Zuhause legte er sich mit der Errungenschaft in die Badewanne, um ihr die richtige Passform zu verleihen. Dass er anschließend eineinhalb Stunden die Emaille-Badewanne schrubben musste, um den Indigo-Farbstoff zu entfernen, störte ihn nicht. „Die Levi’s hatten Kultstatus, ich war froh, endlich eine zu besitzen“, erinnert sich Jörg Katins.
Schon als Zwölfjähriger war ihm bewusst, dass diese Hosen etwas ganz Besonderes sind, und so hat er all seine Levi’s aufgehoben. Nicht nur seine. Auch die ausrangierten Levi’s seiner Freunde landeten in den Kartons von Jörg Katins.
Bis heute hält seine Leidenschaft für die Jeans an. „Da hängt mein ganzes Herzblut dran“, sagt der 53-Jährige, „sie sind nicht nur ein Kleidungsstück, sie haben etwas mit dem Freiheitskampf in den 60ern zu tun“. Gegen alle Widerstände hatte die „Nietenhose“ damals ihren Siegeszug angetreten.
Katins sammelte nicht nur seine eigenen und die Levi’s seiner Freunde, sondern ging überall auf die Suche nach Raritäten. Beruflich war er viel im Ausland unterwegs und stöberte in jeder Stadt nach alten Levi’s, wurde auf Flohmärkten in Paris oder in Kellern von Jeansläden in London fündig. Oftmals hat er in Lagern vergessene Jeans entdeckt. Sein Sammlerherz schlug auch höher, als er im Keller eines Seemannsausstatters 20 Levi’s entdeckt hat, die dort 30 bis 40 Jahre gelagert hatten. „Der Händler war froh, die Ladenhüter loszuwerden und ich konnte sie zum Original-Verkaufspreis erwerben“, so Katins.
Im Laufe der Jahre hat der Zeteler wahre Schätze angesammelt, seine älteste Levi’s stammt aus den 30er Jahren. Diese alten Arbeiterhosen, insbesondere die aus den Jahren vor 1940, werden mittlerweile hoch gehandelt. Es sind vor allem Japaner, die für Jeans aus der Zeit bis 1940 sehr viel Geld bieten. Jörg Katins hat aus seiner Jeanssammlung kein Kapital geschlagen: „Es war immer mein Traum, andere Menschen an meiner Sammlung teilhaben zu lassen.“
Vor einigen Jahren wurde sein Traum wahr. Bei der Erforschung der Geschichte des Lebenslaufes von Levi Strauss stieß er auf dessen Geburtsort Buttenheim. Wie der Zufall es wollte, war man dort gerade dabei, Gelder für die Sanierung des Geburtshauses von Levi Strauss zu sammeln. Das Haus wurde zum Museum und die Jeans aus der Sammlung von Jörg Katins bilden den Grundstock. All seine wertvollen Jeans sind dort ausgestellt. Lediglich die Hosen, die er selber getragen hat, hat er behalten. Auch der Rat des Jeansexperten ist weltweit gefragt. Mit Kennerblick unterscheidet er Originale von Fälschungen.
Beruflich hatte Jörg Katins ursprünglich nichts mit Jeans zu tun, sondern war als Kaufmann tätig. 1993 machte er seine Leidenschaft für Jeans zum Beruf und eröffnete in Oldenburg den Jeansladen Jam-Store. Im März dieses Jahres löste er das Geschäft auf. Derzeit baut er einen Online-Handel für Original-Textilien auf. Natürlich mit dem Schwerpunkt Jeans.
Levi Strauss – Ein amerikanischer Traum
