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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

„Zu keinem Zeitpunkt selbst bereichert“

02.02.2013

Oldenburg /Bremen Mit „offenem Visier“ will sich Ex-Reeder Niels Stolberg (52) der Anklage wegen Kreditbetrugs stellen. „Herr Stolberg wird die volle Verantwortung vor Gericht tragen – und er wird zu seiner Verantwortung stehen“, kündigte sein Sprecher Dr. Mirko Kahre am Freitag im Gespräch mit der NWZ  an. Kahre betonte: „Niels Stolberg hat sich zu keinem Zeitpunkt persönlich bereichert.“

Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Bremen gegen Stolberg und einen weiteren Ex-Manager der insolventen Bremer Reederei Beluga Anklage erhoben. Den beiden wird vorgeworfen, zwischen 2006 und 2010 in 16 Fällen die Banken belogen zu haben. Sie sollen die Gesamtinvestitionskosten für 20 Schiffsneubauten um insgesamt 93,3 Millionen Euro überhöht dargestellt haben, um so eine Steigerung der Fremdfinanzierungsquote je Neubau von durchschnittlich 70 auf bis zu 100 Prozent zu erreichen.

Alle Berichte zur Krise der Beluga-Reederei in einem Spezial

Ein finanzieller Schaden für die Banken sei bisher nicht festgestellt worden, sagte Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, der NWZ . „Das ist auch nicht nötig; es genügt, falsche Angaben gemacht zu haben.“ Laut Strafgesetzbuch kann Kreditbetrug mit Geldstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden – „pro Tat“, betonte Passade. Ob und wann es zum Prozess kommen werde, sei derzeit noch nicht absehbar.

Stolbergs Sprecher Mirko Kahre zeigte sich unterdessen „erstaunt“ über die „Detailschärfe in Teilen der öffentlichen Berichterstattung, noch bevor uns überhaupt die Anklageschrift vorliegt“. Bereits zwei Tage vor Anklageerhebung sei Stolbergs Verteidigung von Medien aufgefordert worden, Stellung zu beziehen.

Gegen Stolberg wird nicht nur wegen Kreditbetrugs, sondern unter anderem auch wegen Verdachts auf Bilanzfälschung, Waffenschmuggel und Veruntreuung von Spendengeldern ermittelt. „Das ist ein Ermittlungskomplex“, sagte Behördensprecher Passade.

Scharf zurückgewiesen wird von Stolberg vor allem der Vorwurf, Spenden für die „Beluga School for Life“ in Thailand veruntreut zu haben. „Diese Dinge beschädigen Herrn Stolberg in der Öffentlichkeit massiv“, sagte sein Sprecher; der Ex-Reeder stehe da „wie der größte Schwerverbrecher, den man sich vorstellen kann“. Die „Beluga School for Life“ sei ein „Herzblutprojekt“ von Stolberg gewesen.

„Fakt ist: Aus Stolbergs Privatvermögen sind 6,5 Millionen Euro in das Projekt geflossen“, sagte Mirko Kahre. Nachdem beim „RTL-Spendenmarathon“ 500 000 Euro an Drittspenden gesammelt werden konnten, sei „buchhalterisch“ Geld mit den Summen verrechnet worden, das Stolberg monatlich in die „School of Life“ fließen lasse. „Zu keinem Zeitpunkt hat Herr Stolberg Geld aus dem Projekt für andere Zwecke verwendet“, so Kahre: „Jede Spende ist 1:1 ins Projekt geflossen.“

Niels Stolberg, geboren 1960 in Brake, hatte die auf anspruchsvolle Projektfracht spezialisierte Reederei Beluga 1995 gegründet. 2010 holte er den US-Finanzinvestor Oaktree ins Boot. Der setzte Stolberg ein knappes Dreivierteljahr später vor die Tür. Das Unternehmen meldete Insolvenz an, von der Pleite waren rund 670 Mitarbeiter betroffen. Stolberg, der in Oldenburg lebt, hat Privatinsolvenz angemeldet; Oaktree hat sein Vermögen einfrieren lassen.


     www.nwzonline.de/beluga-krise 
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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