Falkenburg - „Astrid, wann ist mein Zimmer endlich fertig?“, fragt die kleine Emily gedehnt und mit geschürzten Lippen, während sie auf den Schoß ihrer Gesprächspartnerin klettert. „Ein bisschen dauert es noch. Es muss doch noch gestrichen werden“, antwortet Astrid Tietjen der Achtjährigen. Rosa und lila – so wünsche sie sich ihr neues Zimmer, bekräftigt Emily.

Dass sich Emily die Wandfarbe in ihrem Kinderzimmer selbst aussuchen darf, ist nicht selbstverständlich. Das Zimmer, um das es geht, befindet sich nicht im Elternhaus, sondern im Kinder- und Jugendhaus der Rotenburger Werke in Falkenburg. Dort leben bis zu 24 Mädchen und Jungen mit geistigen und teilweise auch körperlichen Behinderungen, die aus verschiedenen Gründen nicht zu Hause betreut werden können.

Derzeit seien es 13 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren, die auf dem Gelände am Ahrenshagen leben, erzählt Astrid Tietjen, die schon länger im Kinder- und Jugendhaus arbeitet und vor einigen Monaten die Leitung übernahm. Und alle sollen sich wohl und zu Hause fühlen. Daher wurde nun in die Hände gespuckt: Am Sonnabend rückten Freunde und Angehörige der 15 Mitarbeiter des Hauses, Kollegen aus Rotenburg, Angehörige der Bewohner und eine komplette Wohngruppe der Rotenburger Werke in Scheeßel an, um gemeinsam frische Farbe an die Wände der Einrichtung zu bringen und das Gelände frühlingsfrisch zu machen. Insgesamt fast 60 Kinder und Erwachsene wirbelten in Haus und Garten.

Gestrichen werden muss im Kinder- und Jugendhaus etwas häufiger als in anderen Kinderzimmern. Einige der kleinen Bewohner seien „verhaltenskreativ“, erklärt Astrid Tietjen. Das hinterlasse auch an den Wänden mitunter Spuren. Zudem habe man die Wohngruppen neu aufgeteilt, so dass die ruhigeren und die aufgeweckteren Kinder jeweils unter sich sein können. „Die pädagogischen Anforderungen sind in den beiden Gruppen völlig unterschiedlich.“

Wie lange die Bewohner im Kinder- und Jugendhaus leben, sei verschieden, berichtet Astrid Tietjen. Teils kämen sie nur zur Kurzzeitpflege, teils würden bis zum Eintritt ins Arbeitsleben bleiben. Und nach Wunsch der Pädagogen sogar noch einige Zeit darüber hinaus. Es gelte den Übergang in spätere Wohnformen zu erleichtern.


„Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit dem Landkreis Oldenburg. Ziel ist, dass die Jugendlichen nach dem Ende der Schulzeit noch zwei Jahre bei uns wohnen können“, berichtet Jutta Meier-Schlohbohm, bei den Rotenburger Werken Leiterin des den Kinder- und Jugendbereichs. „Eltern kommen schließlich auch nicht auf die Idee, ihre Kinder sofort nach dem Abitur nicht mehr zu Hause wohnen zu lassen.“

Für die kleine Emily ist die Welt inzwischen wieder in Ordnung: Ihr Zimmer zieren nun Farbakzente in Rosa und Lila.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee