Oldenburg - Wie werden die Menschen im Jahr 2030 in Deutschland arbeiten und leben? Beim OLB-Forum „Wissen und Zukunft“ der Oldenburgischen Landesbank wagte der renommierte Zukunftsforscher Prof. Dr. Horst W. Opaschowski aus Hamburg vor rund 700 Gästen in der Oldenburger Weser-Ems-Halle einen lehr- wie unterhaltsamen Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung in den kommenden 15 Jahren. Diese zehn Zukunftstrends erwartet „Mr. Zukunft“, wie OLB-Vorstand Hilger Koenig ihn unter anderem vorstellte:
Trend 1: Sicherheit wird die neue Freiheit: Die Weltlage sei fragil wie lange nicht, so Opaschowski. Zugleich werde es für die junge Generation zunehmend schwieriger, in Sicherheit und Wohlstand zu leben. „Der Hunger nach Sicherheit ist derzeit größer als der Durst nach Freiheit“, sagte er. Die Gefahr sei groß, dass bei all dem Sicherheitsstreben grundgesetzlich geschützte Freiheiten angetastet werden könnten.
Trend 2: Zuwanderung als Konfliktpotenzial – Toleranz als Standortfaktor: Bis 2050 haben mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland einen Zuwanderungshintergrund, in Großstädten sogar 50 Prozent, prognostiziert Opaschowski. Nach einem Jahrhundert der Migration stehe Deutschland nun ein Jahrhundert der Integration bevor. Dies könne aber nur gelingen, wenn sich Zuwanderer und Einheimische aufeinander zubewegen. „Die örtliche Toleranz für ethnische Minderheiten wird zum Standortfaktor“, sagt er.
Trend 3: Die Zukunft ist urban: „Re-Urbanisierung heißt der Trend“, meint Opaschowski. Er sieht eine Abkehr von der Pendlergesellschaft. Künftig seien „zentral, nah und kurz“ entscheidend. Dies habe auch Folgen für das Wohnen. Es werde mehr Mehr- und weniger Einfamilienhäuser geben. Die Wohnungen würden größer. Und: „Deutschland wird zum Mieterland“, prognostiziert er.
Trend 4: Total digital – völlig normal: Die digitale Revolution habe schon längst begonnen und sei unaufhaltsam. „In Zukunft kann es passieren, dass wir mehr mit Medien als mit Menschen kommunizieren“, so Opaschowski. Trotzdem glaubt er, dass der Neuheitseffekt vieler neuer Technologien schnell langweilig werde und Inhalte wieder wichtiger werden.
Trend 5: Neue Lust auf Familie: Die Geburtenzahl steigt langsam wieder, die Zahl der Scheidungen geht zurück. „Der Trend zur Individualisierung hat offenbar seinen Zenit überschritten“, sagt Opaschowski. Stattdessen gebe es einen Trend zu Beständigkeit und Gemeinsinn: „Die Familie wird in Zukunft kein Auslaufmodell sein.“
Trend 6: Leben ist die Lust zu schaffen: Für die junge Generation gebe es inzwischen ein Gleichgewicht zwischen Leistung und Lebensfreude, meint der Zukunftsforscher. Es entstehe in der Gesellschaft eine neue Schaffensfreude. Das (Lebens)-Unternehmertum werde zum Leitbild der Zukunft.
Trend 7: Frauen kommen mit Macht: „Die Arbeitswelt wird weiblicher“, sagt Opaschowski. Aufgrund der immer höheren Qualifikation der Frauen würden männlich dominierte Berufszweige wegbrechen und Frauen immer häufiger auch Führungspositionen einnehmen.
Trend 8: Re-Start mit 50 – Die Wirtschaft braucht neue Arbeitnehmer: Laut Opaschowski zeichnet sich ein Ende des „Jugendwahns“ ab. Immer mehr Vertreter der 50plus-Generation bekämen eine zweite Chance: „Nachhaltigkeit ist mehr gefragt als Kurzfristigkeit.“ Umfragen zufolge gelte man heute erst mit 76 als „alt“, sagt der 75-Jährige. „Kommt jetzt das Jahrhundert der Senioren?“, fragt er.
Trend 9: Wahlverwandtschaften und soziale Konvois: Das Verständnis von Familie erweitere sich, so Opaschowski. Die Lebensgemeinschaft werde neu definiert. Dabei seien soziale Konvois aber nur sinnvoll, wenn sie generationsübergreifend angelegt sind.
Trend 10: Gut leben statt viel haben: „Wohlstand wird zur Frage des persönlichen Wohlergehens“, sagt Opaschowski. Ökonomisch werde es vielen nicht mehr so gut gehen, wie in den vergangenen Jahren. Das müsse aber nicht automatisch negativ sein. Viele Menschen würden „ärmer, aber nicht unglücklicher“. Ein starkes soziales Netz steigere Lebenserwartung und Wohlbefinden.
