Wie im Fluge ist die Zeit vergangen. Hat sich inzwischen doch ein wenig Bedauern eingestellt, dass Sie ihr Amt vorzeitig abgeben?
Von der KammerAbschied nehmen ist für mich ein Strauß von Gefühlen und es stellt sich auch etwas Wehmut ein. Aber ich habe die Entscheidung ja nicht aus einer Laune heraus getroffen, sondern wohl überlegt. So überwiegt die Freude auf den neuen Lebensabschnitt.
Was werden Sie an Elsfleth vermissen?
von der KammerVermissen werde ich die guten Kontakte zu den Akteuren von Hochschule, Campus und der Wirtschaft und hier beziehe ich die Landwirtschaft ausdrücklich ein. Es sind viele Personen, die mich beeindruckt haben, viele spannende Projekte, deren Entwicklung ich gerne weiter begleitet hätte. Elsfleth ist so vielseitig aufgestellt, dass ich trotz Krisen große Chancen für die Zukunft sehe.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
von der KAmmerAm meisten freue ich mich darauf, endlich wieder Zeit für mich und meine Familie zu haben. Ich habe inzwischen zwei süße Enkeltöchter, ich möchte für sie da sein und sie gerne beim Großwerden begleiten.
Was würden Sie als den größten Erfolg Ihrer Amtszeit bezeichnen?
Von der KammerAls Erfolg werte ich, dass es mir nie darum ging, möglichst viele Interessen zu bedienen, sondern vielmehr darum, die Mittel zielgerichtet, nachhaltig und effizient einzusetzen. Ein deutlicher Investitionsstau bei der Feuerwehr konnte beseitigt werden und mit dem von mir durchgesetzten Feuerwehrbedarfsplan sind wir vorbildlich für die Zukunft gerüstet. Der besondere Clou unseres städtebaulichen Entwicklungskonzeptes ist vielen leider bis heute noch nicht klar. Es ist ein Weg, dringend sanierungsbedürftige Straßen, Wege und Plätze ohne Erhebung von Straßenausbaubeiträgen der Anlieger mit öffentlichen Fördermitteln von Bund und Land nicht nur notdürftig „auszuflicken“, sondern der ganzen Innenstadt ein neues, auch touristisch attraktives Gesicht zu geben und gleichzeitig die Abwasserprobleme zu beseitigen. Der Verkauf des Stadtwaldes war ein Vorschlag, den ich der Flächenagentur unterbreitet habe; es wird einige Jahre beanspruchen, aber dann wird Elsfleth über ein weiteres Kleinod für Aufenthalt und Naherholung verfügen.
Und wie sieht es beim Thema Finanzen aus?
Von der KAmmer In meiner Amtszeit konnten in drei Jahren Haushaltsüberschüsse erzielt werden, die wir nicht für neue Begehrlichkeiten, sondern zum Abbau von alten Fehlbeträgen eingesetzt haben. Auf die Amtszeit betrachtet haben wir insgesamt nur so viel ausgegeben wie wir eingenommen haben. Die Aufnahme von Kassenkrediten konnte bis heute von ehemals 7 Mio auf heute noch 1 Mio reduziert werden, was jährliche Einsparungen von 0,5 Mio bedeutet. Als Erfolg verbuche ich auch ein Umdenken in Verwaltung und Politik, andere in die Pflicht zu nehmen, um höhere Einnahmen zu generieren, sowie bei der Erfüllung unserer Aufgaben vorrangig das Ziel zu verfolgen, eigenes Vermögen aufzubauen statt das Vermögen Dritter zu finanzieren.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Von der KammerIn Zeiten unsicherer Gewerbesteuererträge freut mich, dass sich der Campus so gut entwickelt hat und hier viele neue innovative Unternehmen am Start sind. Von besonderem Wert ist die erfolgreiche Ansiedlung des Biokraftwerks. Ebenso ist auch der gerade beschlossene Windpark ein Garant für Steuereinnahmen in kommenden Jahren. Stolz bin ich natürlich auch auf unsere verlässlichen Traditionsunternehmen aus Wirtschaft, Handwerk, Handel und Landwirtschaft. Leider haben gerade diese soliden Unternehmen oft mit neuen Zielvorgaben und einer Regelungsflut der Bürokratie zu kämpfen. Ich habe ihre Interessen als unser gemeinsames Interesse stets unterstützt. Das sind oft zähe und langwierige Prozesse, wo starke Nerven, Besonnenheit und Durchhaltevermögen gefragt sind, entsprechend erfreut bin ich über jeden Schritt nach vorn.
An welcher Stelle hätten Sie gerne mehr erreicht?
Von der KammerIch hätte in Elsfleth gerne ein städtisches Energieprojekt umgesetzt. So habe ich zu Beginn meiner Amtszeit zum Beispiel die Errichtung einer eigenen Freiland-Photovoltaikanlage im Gewerbegebiet vorgeschlagen. Wir würden heute über eine damals noch hohe garantierte Einspeisevergütung dauerhaft sichere Einnahmen erzielen. Damit hätten wir inzwischen rückläufige Gewerbesteuereinnahmen gut ausgleichen können. Leider hat die Politik damals nicht mitgezogen.
Gerne hätte ich auch mit den Anwohnern des neuen Edeka-Marktes „Frieden geschlossen“. Dieses Vorhaben war Motor für viele Projekte, die inzwischen angeschoben werden konnten, sowohl in der Innenstadt wie auch an der Oberrege. Ich gehe davon aus, dass der neu aufgestellte Edeka-Markt eine Bereicherung sein wird mit zufriedenen Kunden in guter Nachbarschaft.
Was möchten Sie Ihrer Nachfolgerin Brigitte Fuchs mit auf den Weg geben?
Von der KammerMir liegt es fern, meiner Nachfolgerin kluge Ratschläge zu geben. Ich bin selbst immer meinen eigenen Weg gegangen und das gestehe ich auch meiner Nachfolgerin zu. Vielleicht ist das sogar der Rat, den ich ihr geben würde: ihren eigenen Weg zu finden und zu beschreiten.
Ein Fazit zum Abschluss?
von der KammerElsfleth bleibt für mich die interessanteste, vielseitigste und schönste Stadt der Wesermarsch, ich habe hier gute Freunde gefunden und ich komme gerne als Freundin, Besucherin und Gast zurück!
