Oldenburg - Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für viele Jugendliche schwierig – in Oldenburg scheitert er sogar noch häufiger als im Umland. 8,3 Prozent der Oldenburger zwischen 15 und 25 (die nicht zur Schule gehen) sind arbeitslos. Im Landkreis Oldenburg sind es nur 4,3 und im Ammerland 3,4 Prozent.
Um die Situation für die jungen Menschen zu entschärfen, arbeitet das Jobcenter – die jungen Arbeitslosen sind in der Regel Hartz-IV-Empfänger – eng mit der Jugendhilfe der Stadt und der Volkshochschule zusammen. Berufsvorbereitung und sozialpädagogische Arbeit laufen in der Jugendwerkstatt der VHS mit den Standorten Pophankenweg und Von-Finckh-Straße.
„Die Hälfte unserer jungen Leute hat keinen Hauptschulabschluss“, erläutert deren Leiter Gerd Hunke. Viele von ihnen hätten aus familiärer Sicht zuvor keine Kontakte zur Arbeitswelt gehabt. Staatliche Transferleistungen gälten als normale Einnahmequelle. Oft herrsche auch Verunsicherung vor: „Wenn man 20 ist und noch keine gesellschaftliche Standardanforderung erfüllt hat, ist das nicht leicht“, sagt Hunke.
Bis Ende vorigen Jahres haben die jungen Leute in der Jugendwerkstatt als Ein-Euro-Kräfte gearbeitet. Diese Beschäftigungsform ist inzwischen Geschichte. „Wir mussten ein neues Konzept erarbeiten“, sagt Ute Dirks, Teamleiterin der Arbeitsvermittlung für unter 25-Jährige im Job-Center. Statt des Zuverdienstes gibt es für die jungen Menschen nun ein kostenloses Mittagessen und die Fahrtkosten werden ersetzt.
Schwierig findet Gerd Hunke, dass die jungen Leute nun nicht mehr die Erfahrung machen, zum ersten Mal eigenes Geld zu verdienen. Froh hingegen ist er, dass in Verhandlungen mit dem Sozialministerium erreicht wurde, dass die von den Jugendlichen gefertigten Stücke nicht wegen Marktverzerrung gleich wieder zerstört werden müssen. Dass sie etwa stets einen der Stadtgärten – in diesem Jahr den chinesischen – anlegen und Gummistiefel-Trocknungsregale für Kitas bauen können, gebe der Arbeit Sinn, sagt Hunke: „Eine reine Übungswerkstatt wollen und können wir nicht sein.“ Echte Produktionserfahrungen würden auch Chancen auf Praktika in Unternehmen erhöhen. Hunke hat allerdings bemerken müssen, dass der Übergang von der Jugendwerkstatt in den Beruf wegen der Geschwindigkeit der heutigen Arbeitswelt hohe Hürden bietet: „Da sind engagierte Jugendliche, die sind pünktlich und fleißig, haben einen Führerschein und bekommen auch Lob. Aber zu einer möglichen Übernahme heißt es dann: zu langsam.“ Da sei es schwer, bei den Jugendlichen Motivation aufzubauen.
Neben der beruflichen und sozialen Eingliederung gilt die Jugendwerkstatt auch als außerschulischer Lernort. Matthias Welp arbeitet bei der Stadt im „Team Wendehafen“ mit Schulverweigerern und Langzeitschwänzern. 460 Jugendliche aus Oldenburg lassen sich dort jährlich beraten, und einige von ihnen kommen durch die Jugendwerkstatt wieder in die Spur, „weil das dort so wenig von Schule hat“, so Welp.
