Friesoythe - Sie waren mal gelb, sie rochen selten angenehm und wenn man sie wirklich benötigte, war natürlich stets der Hörer abgerissen: Telefonzellen waren über Jahrzehnte der Inbegriff der (halbwegs) mobilen Kommunikation – bis die Handys kamen.
Heute muss man lange suchen, um überhaupt ein öffentliches Telefon zu finden.
Tatsächlich gibt es laut Informationen der Verwaltung im gesamten Stadtgebiet von Friesoythe nur noch vier Standorte: am Busbahnhof am Hansaplatz, am Grünen Hof bei der Tankstelle, am Buswartehäuschen an der Hauptstraße 21 in Gehlenberg und Am Stau 2 in Thülsfelde. Allerdings steht der Standort am Grünen Hof derzeit in der Diskussion. Die Telekom als Betreiberin möchte das Gerät gerne abbauen.
Dass das Unternehmen die Stadt Friesoythe nach der Erlaubnis fragt, liegt an einer Vereinbarung mit der Bundesnetzagentur und den kommunalen Spitzenverbänden. Demnach hat sich die Telekom verpflichtet, ein bedarfsgerechtes Netz an „Öffentlichen Telekommunikationsstellen“, wie sie die Zellen im feinsten Behördendeutsch nennt, bereitzustellen.
Den Bedarf macht sie am Umsatz fest. „Die Telekom darf Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro€ im Monat stehen“, so Sprecherin Stefanie Halle.
Die Telekom hat nun die Stadt angeschrieben, da das Telefon zuletzt weniger als zwölf Euro Umsatz monatlich gemacht hat. Sie verweist auch auf zusätzliche Investitionen, die nötig seien um das Gerät an aktuelle Netztechnologien anzupassen. Zusätzlich Druck macht das Unternehmen mit der Aussage, dass Defizite aus dem Telefonzellenbereich „hemmend auf das Investitionsvolumen für den Breitbandausbau wirken.“
Die Verwaltung wird diese Entscheidung aber erst nach genauer Prüfung treffen, wie Fachbereichsleiter Sven Corbes mitteilt. „Wir schauen uns an: Wo gibt es alternative Standorte und welche Nutzergruppen sind in der Nähe.“ Ein öffentliches Telefon könnte zum Beispiel relevant sein für ein Seniorenheim oder eine Schule.
Oder für den Patienten, der ein paar Worte mit den Lieben zu Hause wechseln möchte. Im St.-Marien-Hospital gibt es immer noch ein Münztelefon. „Früher hat noch die Notwendigkeit bestanden, ein solches Telefon zu haben.
Heute würde es niemandem wehtun, wenn es nicht mehr da ist“, sagt Bernd Wessels, Geschäftsführer des St.-Marien-Hospitals. Ab und zu werde das Telefon noch benutzt, wenn jedoch der schmale Korridor in dem es steht umgebaut werde, verschwinde es. „Heute hat jeder einen Telefonanschluss an seinem Nachttisch oder sein Handy dabei“, erklärt Bernd Wessels.
Für Notrufe war die Telefonzelle früher ebenfalls wichtig. Das hat sich durch die heute stets griffbereiten Handys geändert, auch wenn man das bei der Großleitstelle Oldenburger Land gern anders hätte. „Den Standort können wir bei einem Anruf aus der Telefonzelle schnell verifizieren“, sagt Leiter Frank Leenderts.
Die Ortung der Mobiltelefone sei zwar technisch möglich, aber aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Das kann manches Notrufgespräch doch gefährlich in die Länge ziehen. Leenderts: „Durch das Verlassen auf Navigationsgeräte wissen gerade auf Bundesstraßen oder Autobahnen viele Fahrer gar nicht mehr, wo sie sich eigentlich befinden.“
