Oldenburg/Kayhausen - Ein Resthof in Kayhausen: Nur zwei kühle, gekachelte Räume, große Kochtöpfe und Kanister voll mit einer klaren Flüssigkeit, dazu ein riesiger Kunststoff-Tank. Alles wirkt recht spartanisch und doch erobert Florian Falk von hier aus gerade die Szene-Bars im Nordwesten. „Ich kann hier mit ganz einfachen Mitteln viel erreichen“, sagt Falk.

Auf dem Tisch steht eine schlanke Flasche: „White Frisian“ steht auf dem Aufkleber, die Flüssigkeit ist milchig weiß. Tatsächlich ist Milch neben Doppelkorn eine der Hauptzutaten. Dazu kommen einige Kräuter. „Welche, das bleibt mein Geheimnis“, sagt Falk mit einem Lächeln.

Eigentlich hatte der 31-Jährige nicht den Weg gewählt, sich mit einer Spirituosen-Manufaktur selbstständig zu machen. Nach einer Ausbildung arbeitete er zehn Jahre erst bei einer Bank und im Versicherungsvertrieb. Aber einfach nur auf die Rente hinarbeiten, in einem Job, der ihn nicht glücklich machte – das wollte er bald nicht mehr. Er nahm sich ein Jahr Auszeit und beschäftigte sich intensiver mit einer Leidenschaft, die er schon viele Jahre pflegte: Dem Veredeln von Spirituosen. „Ich hatte immer ein Händchen dafür, Geschmacksrichtungen zu kombinieren“, sagt Falk. Der Gedanke reifte, aus dem Hobby den Beruf zu machen. Er absolvierte eine Ausbildung zum Assistant Wein-Sommelier, schaute den Profis in einer Brennerei in Süddeutschland über die Schulter. Sein erstes Rezept lehnte an einen bekannten Likör an, der gerne mit Milch kombiniert wird. „So einen Geschmack und vor allem die Konsistenz der Milch wollte ich in die Flasche bekommen.“ Er experimentierte – zuerst in der eigenen Wohnung in Metjendorf. Und er hatte Erfolg – wenigstens teilweise. Das fertige Rezept mit Karamellnote schmeckte nicht nur ihm, sondern auch vielen Gastronomen.

„Verkaufen wollte es trotzdem niemand“, erinnert sich Falk. Das Problem war nicht der Inhalt, sondern die Marke. Likörmanufaktur Oldenburg nannte Falk sein Unternehmen zuerst, setzte voll auf den Trend zu regionalen Produkten. „Das funktioniert bei Lebensmitteln – bei Spirituosen überhaupt nicht“, musste er lernen.

Falk nahm einen Teilzeit-Job an, und dachte mit Hilfe einer neuen Werbeagentur neu nach. Und unter der neuen Marke White Frisian schlug das Getränk plötzlich ein. Bald war es in mehreren Bars in Oldenburg und Bad Zwischenahn auf der Karte, ein Getränkegroßhändler wurde aufmerksam. Sogar eine Bar in Frankfurt schenkt den White Frisian inzwischen aus. Im Ammerland stehen die Flaschen im Hol-Ab-Markt in Bad Zwischenahn im Regal, außerdem beim Edeka-Markt Warnken in Edewecht – für rund acht Euro pro Flasche.


Falk veränderte mit der Marke auch die Rezeptur leicht. Weniger Zucker macht aus dem Likör eine Spirituose – die vermarktet sich besser. Die Grundstoffe wie Milch und Kräuter bezieht er weiter aus der Region.

Auch wenn für die Produktion keine große Anlage nötig ist: Falk brauchte Platz. Den Resthof in Kayhausen hat er von seinen Großeltern geerbt. „Die Lebensmittelaufsicht und das Bauamt des Landkreises haben mir beim Umbau zum Glück keine Steine in den Weg gelegt, sondern viele gute Hinweise gegeben“, sagt Falk. 600 Liter kann er in einem Durchgang produzieren, zweieinhalb Tage dauert das. Abgefüllt wird der White Frisian dann bei der Sandkruger Firma Condor. „Das war auch ein großes Glück für mich – eine Abfüllanlage könnte ich hier nicht unterbringen“, sagt Falk. Jetzt setzt der Jung-Unternehmer erstmal alles daran, die Marke White Frisian noch bekannter zu machen. „Mein nächstes Ziel ist Hamburg, wenn ich es da in die richtigen Bars schaffe, schwappt der Erfolg auch in weitere Regionen“, ist sich Falk sicher. Und dann? An weiteren Geschmacksrichtungen tüftelt Falk schon: „Bis die auf den Markt kommen, wird es aber noch dauern.“