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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

So wird Zwickau zum VW-Elektrowerk

19.10.2019

Zwickau Die automobile Zukunft beginnt hier im sächsischen Zwickau in einem Salon aus dem frühen 20. Jahrhundert. Von den mit grünen Tapeten ausgekleideten Wänden schaut Audi-Gründer August Horch auf den VWler Rainer Pilz hinunter. „Audi kommt ja aus Zwickau und nicht aus Ingolstadt. Das weiß auch nicht jeder“, sagt der 59-jährige Sachse. Pilz kennt sich aus mit Autos, hat schon in den 1980er Jahren beim Sachsenring Trabanten zusammengebaut. Seit 1990 ist er im Werk Mosel in Zwickau. Hat hier zuerst den Viertakt-Trabi montiert, dann den Golf 2. Pilz stieg auf, wurde Teamleiter. Und steht nun in dem vermeintlichen Salon, um den Kollegen eine Revolution näherzubringen.

Pionier und Taktgeber

Der Salon ist in Wirklichkeit ein Schulungszimmer, den sich die Zwickauer Werker selbst ausgedacht haben. Es ist ein Escape Room, in dem die Eingeschlossenen versteckte Hinweise sammeln, um binnen 20 Minuten in den nächsten Escape Room zu kommen, der das 20. Jahrhundert repräsentiert, um von da aus in den nächsten Raum zu kommen, der das 21. Jahrhundert zeigt. Es geht darum, den Schlüssel für die Zukunft zu finden. Ganz wörtlich. In anderen Räumen kann man mit einer VR-Brille virtuelle Autoteile auseinander nehmen oder echte anfassen. Es sind ungewöhnliche Schulungen, für ein außergewöhnliches Projekt.

Als weltweit erstes VW-Werk soll Zwickau komplett von Verbrennern auf E-Autos umstellen. Bisher produzieren die 8000 Mitarbeiter hauptsächlich die siebte Auflage des Golf, meist in der Variant-Ausführung. Doch der Golf soll 2020 auslaufen. Danach sollen nur noch Elektroautos folgen. Sechs Modelle, drei von VW, zwei von Audi, eines von Seat. 330 000 Stück im Jahr, 1500 am Tag, alle 90 Sekunden eines. Das Werk in Sachsen soll Pionier und Taktgeber der von Konzernchef Herbert Diess ausgerufenen E-Offensive werden: Bis 2022 sollen sieben weitere Werke auf den E-Antriebsbaukasten MEB umsatteln: Emden, Hannover, Dresden, Mlada Boleslav in Tschechien, Chattanooga in den USA, Anting und Foshan in China. Binnen zehn Jahren sollen 22 Millionen E-Autos­ der VW-Marken vom Band rollen.

Den Auftakt soll Zwickau machen: In Halle 5 des Werks werden aktuell mehr als 2000 Vorserienfahrzeuge gebaut: Vom ersten VW-Nur-Elektroauto ID.3, der am 4. November endgültig in Serie gehen soll und von dem die Manager hoffen, dass er nicht weniger als der nächste Käfer oder Golf des Konzerns wird. Und vom Elektro-SUV ID.4 alias ID Buzz, dessen Aussehen noch so geheim ist, dass Besucher vor Betreten der Halle ihre Handys wegstecken müssen.

Wie der ID.3 versucht auch der SUV-Ableger eine neue Sprache in Form und Farben zu finden. Die E-Autos von VW sollen einen hohen Wiedererkennungswert haben – und sich deutlich von den Verbrennern abheben.

Der E-Umstieg ist ein ehrgeiziger Plan, der auch in Zwickau auf „gewisse Skepsis“ stieß, räumt Pilz ein. Als 2018 klar war, dass die ganze Fabrik umgekrempelt werden soll, sorgte das für eine kurze Schockstarre in der Belegschaft. Und man tut in Zwickau viel, um diese abzubauen. Auf dem Werksgelände gibt es neben dem Salon eine E-Tankstelle zum Ausprobieren. Alle 8000 Mitarbeiter durchlaufen Schulungen. Kollegen vom Band werden im Bedienen von Robotern geschult, machen Hochvoltführerscheine. Es gibt eine Mitarbeiter-App fürs Handy.

Hohe Erwartungen

Es geht bei der Transformation um mehr als den bloßen Wechsel der Antriebsart. Mit dem Elektroauto ändern sich auch die Gewohnheiten und Ansprüche der Menschen, erklärt Reinhard de Vries. Der Ostfriese hat im Werk Emden angefangen und ist nach zahlreichen VW-üblichen Zwischenstationen Geschäftsführer Technik und Logistik im Vorzeigewerk Zwickau. Für de Vries ist der farbenfrohe ID.3 ein Angebot an eine neue Nutzerklientel. Volkswagen wettet hoch auf den ID.3 und seine Nachfolger. Doch das bisherige Brot- und Buttergeschäft vergisst der Konzern vorerst nicht. Nächste Woche wird in Wolfsburg der neue Golf vorgestellt. Den es aber nicht mehr als E-Variante­ geben soll und der auch nicht mehr in Zwickau gebaut wird.

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Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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