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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Zwischen Kohlkiste und Weinabo

03.05.2014

Frankfurt /Leer Kohl ist gerade weniger gefragt. „Im Moment bestellen die Leute frisches Gemüse, besonders Salat. Rotkohl kann keiner mehr sehen“, sagt Annette Krehl. Sie ist Geschäftsführerin des Lieferdienstes „Die grüne Bohne“ aus Nierstein in Rheinhessen. Ihr Online-Shop umfasst knapp 2000 Produkte. Kunden können zwischen Blutwurst, Fetakäse und Gemüsekisten wählen, die Ware wird an die Haustür gebracht.

Der Wocheneinkauf im Internet hat hierzulande noch keine Tradition. 2013 gaben die Deutschen 175 Milliarden Euro für Lebensmittel aus – nur 0,5 Milliarden Euro entfielen auf den Vertriebsweg Internet, wie aus einer Studie der Beratungsfirma EY hervorgeht. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) verzeichnet aber gestiegene Wachstumsraten: Wurden 2011 Lebensmittel, Delikatessen und Wein im Wert von 680 Millionen Euro bestellt, waren es 2013 bereits 971 Millionen Euro.

Es ist vor allem ein Geschäft mit Nischen. In Ballungszentren schießen die Lieferanten von Biolebensmitteln aus dem Boden. Andere Anbieter werben mit Käse-, Tee- und Weinabos, die man sich online selbst zusammenstellen kann. „Es gibt bereits viele professionell aufgestellte Online-Shops, die mit Spezialitäten handeln – zum Beispiel mit belgischen Pralinen oder Backwaren aus dem Erzgebirge“, sagt Andrea Balas vom Handelsinstitut EHI.

Generell laufe das Geschäft mit Lebensmitteln aus dem Internet im Vergleich zum Handel mit Büchern oder Kleidern noch recht schleppend. Kunden suchten eher gezielt nach Produkten, die sie nicht im Supermarkt um die Ecke kaufen können, erklärt Balas. „Verbraucher kaufen vor allem Feinkost und Wein über das Internet“, bestätigt Daniela Wiehenbrauk von EY.

Vor allem die Logistik bereitet der Branche Probleme. „Die Verbraucher haben noch nicht das Vertrauen in Lieferzeit, Qualität und Frische gewonnen und ziehen das Einkaufserlebnis im stationären Handel vor“, erklärt Balas.

Doch die Analysten von EY rechnen damit, dass sich das Geschäft bis 2020 auf bis 20 Milliarden Euro steigern könnte. „Der Markt ist momentan sehr in Bewegung“, sagt Wiehenbrauk. „So gut wie alle großen Händler sind derzeit dabei, bestehende Angebote zu erweitern oder Neue zu entwickeln.“

Seit ein bis zwei Jahren drängten verstärkt auch Vollsortimentler auf den Markt, berichtet Sebastian Schulz vom bevh. „Die bilden im Online-Shop ein ähnliches Angebot ab, wie man es in großen Discountern vorfindet.“

Einer der Pioniere ist die Bünting-Gruppe (Leer). Vor zwei Jahren brachten die Ostfriesen mit „myTime.de“ den ersten Lebensmittel-Onlineshop basierend auf dem stationären Handel ans Netz – mit eigenem Logistikzentrum in Oldenburg. Über 32 000 Artikel gehören zum Sortiment.

„Wir sind mit der aktuellen Entwicklung sehr zufrieden“, sagt Joosten Brüggemann, Geschäftsführer der Bünting E-Commerce GmbH. Die Bestellzahlen stiegen „stetig“. Sie lägen monatlich im fünfstelligen Bereich. Bei den Kunden habe es eine Steigerung von 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben. Hauptabsatzgebiete seien derzeit Metropolen und der sehr ländliche Raum. Auch auf den ostfriesischen Inseln laufe das Geschäft sehr gut.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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