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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Taxibranche Vor Umbruch: Zwischen Mindestlohn und Netz-Konkurrenz

12.06.2014

Berlin Die Jagd nach Kunden ist für Taxifahrer ein hartes Geschäft. Manchmal warten sie anderthalb Stunden auf Fahrgäste. Dann müssen sie sich häufig mit kurzen Strecken und mickrigem Ertrag begnügen. Und seit einiger Zeit gräbt ihnen auch noch die Konkurrenz aus dem Internet das Wasser ab. Der Taxibranche steht vor einem Umbruch - so viel steht fest. Die Gründe sind vielfältig.

„Es kommen mehrere Probleme auf uns zu“, sagt Michael Müller vom Deutschen Taxi- und Mietwagenverband (BZP), der Unternehmer vertritt. Am meisten beschäftigt habe ihn Anfang des Jahres der geplante Mindestlohn von 8,50 Euro. Setze die Bundesregierung ihre Pläne um, würde das 50.000 Jobs und damit jeden vierten angestellten Arbeitsplatz vernichten, warnt der Verband. Dabei ist der BZP nach Angaben eines Sprechers nicht gegen einen Mindestlohn, er hätte ihn aber gerne später, um Gehälter nach und nach anzupassen.

Momentan verdienen Taxifahrer nach BZP-Angaben im Schnitt etwa 6,00 Euro bis 6,50 Euro die Stunde, bei angestellten Fahrern geschieht das meist über Umsatzbeteiligungen. „Das dürfte regional sehr schwanken“, erklärt Jan Jurczyk von der Gewerkschaft Verdi. Gehört hätten sie schon von Fällen, wo drei Euro in Mecklenburg-Vorpommern und acht Euro in Baden-Württemberg verdient worden seien. „Deswegen ist der Mindestlohn da so wichtig“, sagt Jurczyk. Für viele Taxifahrer würde er mehr Geld in der Tasche bedeuten.

Nach Einschätzung von Professor Stefan Sell könnte ein Mindestlohn aber auch noch mehr Konkurrenz ins Geschäft bringen. Weil er nicht für Selbstständige gelten würde, könnten mehr Fahrer in die Selbst- oder Scheinselbstständigkeit abtauchen, vermutet der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler von der Hochschule Koblenz. Sie würden finanziell nicht von der neuen Regel profitieren, aber den Taxifirmen Konkurrenz machen, die ihren Angestellten wie vorgeschrieben mehr pro Stunde zahlen müssten. „Das ist ein echtes Dilemma.“

Und längst ist da ein neuer Streitpunkt. Tausende Taxifahrer in ganz Europa wetterten am Mittwoch gegen Anbieter wie Uber oder Wundercar, die mittels Handy-Apps Privatleute als Fahrer vermitteln. Wundercar wurde in Hamburg mittlerweile verboten. Die Firmen drängen auf einen Milliardenmarkt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erwirtschafteten Taxiunternehmer und Chauffeure mit Mietwagen in Deutschland 2012 rund 3,74 Milliarden Euro. Das waren etwa zehn Prozent Umsatz mehr als noch 2009. „Es entwickelt sich ein sehr solider Markt“, sagt dazu auch ein BZP-Sprecher.

Nicht bekannt ist bislang, wie viele Fahrer überhaupt Aufträge von diesen Unternehmen vermittelt bekommen. Das amerikanische Start-up Uber etwa schweigt dazu. Die Taxifahrer beschweren sich und manche denken wegen der Herausforderungen in der Branche an höhere Preise, wie Wissenschaftler Sell berichtet. Teurere Tarife müssten aber erst in den mehr als 800 Tarifgebieten mit den Kommunen ausgehandelt werden. „Es würde mehrere Jahre dauern, bis das flächendeckend umgesetzt wäre.“

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