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Arbeitsmarkt Zwischen Minijob und Schwarzarbeit

Anita Pöhlig

Braunschweig - Marita Berkhan putzt, kocht und bügelt in drei verschiedenen Haushalten. Die 59-jährige Braunschweigerin ist eine von geschätzten vier Millionen Minijobbern in Deutschland. Die meisten von ihnen arbeiten schwarz, ohne einen Beitrag in die Sozialkassen zu zahlen. Nicht so Marita Berkhan, ihre Arbeitgeberin Martina Deterding hat sie in der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) in Essen angemeldet. Es war zehn Jahre nach der Einführung der Minijob-Regelung die 250 000. Anmeldung in einem Privathaushalt.

Experte zufrieden

Trotz der geschätzten hohen Differenz zu den illegalen Jobs in diesem Sektor ist KBS-Leiter Erik Thomsen zufrieden: „Die Anmeldung ist freiwillig und es drohen keine Kontrollen – anders als bei den rund sieben Millionen Minijobern im gewerblichen Bereich.“

Die KBS ist seit zehn Jahren bundesweit für die Verwaltung zuständig. Wer bis zu 450 Euro im Monat verdient, fällt unter die Minijob-Regelung. Der Arbeitgeber zahlt pauschal 14,44 Prozent des Lohns an die KBS. Dafür sind die Minijobber dann kranken-, unfall- und rentenversichert. Vor allem Putzhilfen und vermehrt auch Pfleger für Angehörige werden laut Thomsen in Privathaushalten beschäftigt.

„Na ja, für die Rentenversicherung bringt das kaum was“, ist sich Marita Berkhan bewusst. Dennoch ist es für sie eine gute Lösung. Ihr Mann ist bereits Rentner und die gelernte Friseurin war die letzten Jahrzehnte familienbedingt schon teilzeitbeschäftigt. „Die Minijobs kann ich prima mit meiner Familie und der Freizeit unter einen Hut bringen“, sagt die zupackende Frau. Sie will Zeit für ihre drei Enkelkinder und ihren Dauer-Campingplatz an der Ostsee haben. Alle drei Arbeitgeber ermöglichen ihr einen flexiblen Einsatz.

Arbeitgeberin Martina Deterding sagt: „Eine prima Sache, wenn beide Ehepartner voll berufstätig sind und wenig Zeit für den Haushalt haben.“ Die Anmeldung im Internet bei der Minijob-Zentrale fand sie unkompliziert.

Gesetz umstritten

Die hohe Zahl der Schwarzarbeiter deutet jedoch darauf hin, dass das Minijob-Gesetz auch im privaten Bereich umstritten bleibt. „Es ist ein Einfallstor für illegale Beschäftigung“, sagt Jan Jurczyk von der Bundeszentrale der Dienstleistungsgewerkschaft „Verdi“. Oft würden die Arbeitnehmer als 450-Euro-Jobber angemeldet, arbeiteten aber viel länger.


Hartz-IV-Empfänger meldeten sich zudem oft nicht an, weil ihnen dann selbst der geringe Lohn von den Leistungen abgezogen werde. Als positiv sieht Jurczyk allerdings, dass das Gesetz vielen Familien ermöglicht, legal eine Hilfe zu engagieren.

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