Oldenburg - Wenn man ein symbolträchtiges Bild für das Wirtschaftsjahr 2014 sucht, eignet sich wohl kaum etwas besser als der Kurvenverlauf des Deutschen Aktienindex (Dax) im zweiten Halbjahr. Im Sommer sprang das Börsenbarometer erstmals in seiner Geschichte über 10 000 Punkte, bis Mitte Oktober stürzte es dann auf rund 8500 Punkte, nur um dann Anfang Dezember mit kurzzeitig 10 083 Punkten ein Allzeithoch zu erklimmen. Am Jahresende am Dienstag stand dann doch nur ein bescheidenes Plus von 2,65 Prozent auf 9805,55 Punkte. Das Wirtschaftsjahr 2014 war ein Jahr der Extreme – und ein Jahr der Rekorde.

Das nun zu Ende gehende Jahr – und damit auch die Entwicklung an der Börse – war geprägt von Konjunktursorgen und einer beispiellosen Geldflut. Die Eurozone blieb auch 2014 eines der Sorgenkinder der Weltwirtschaft. Der Euro fiel zum Jahresende auf 1,2124 Dollar – der tiefste Stand seit Mitte 2012.

Die deutsche Wirtschaft stach im Vergleich zu vielen ihrer europäischen Nachbarn noch positiv hervor. Der private Konsum war robust und Waren „Made in Germany“ blieben weltweit gefragt. Im Oktober kletterten die Ausfuhren auf 103,9 Millionen Euro – ein Exportrekord.

Dennoch verhagelten Krisen – insbesondere der Ukraine-Konflikt – auch hierzulande die noch zu Jahresbeginn vorherrschende gute Stimmung. Nach einem Plus von 0,4 Prozent 2013 dürfte die deutsche Wirtschaft 2014 – so die Prognose der fünf „Wirtschaftsweisen“ – um 1,2 Prozent zulegen.

Gleichzeitig zogen die Preise so langsam an wie lange nicht. In Deutschland lag die Inflationsrate im November bei 0,6 Prozent – der niedrigste Stand seit fast fünf Jahren.


Maßgeblich verantwortlich für diese Entwicklung waren sinkende Energiepreise. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent kostete im Dezember erstmals seit mehr als fünf Jahren weniger als 60 US-Dollar.

Die Medizin, die die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Notenbanken im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche verabreichten, hieß Niedrigzinsen und Geldflut. Im September senkte die EZB den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent – und hielt daran auch bis zum Jahresende fest. Manche Geschäftsbank reagierte darauf, indem sie Negativzinsen für einzelne Kundengruppen einführte.

Gleichzeitig pumpten allein die EZB und die japanische Notenbank nach Angaben von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, monatlich 100 Milliarden Dollar in den Markt.

Während die mickrigen Zinsen Sparer verzweifeln ließen, sorgte die Politik der Notenbanken an den Börsen für Kauflaune. Da auch Unternehmens- oder Staatsanleihen kaum noch etwas abwarfen, stürzten sich viele Anleger auf Aktien. „Was soll ein Vermögensverwalter machen“, beschrieb Analyst Robert Halver von der Baader Bank die Krux. Kein Wunder also, dass der Dax und andere Börsenindizes, wie der Dow Jones in den USA, in ungeahnte Höhen stiegen.

Zu der Hochstimmung an den Börsen passt dann auch ein weiterer Rekord. Im September ging der chinesische Online-Händler Alibaba an die Börse und nahm 25,03 Milliarden Dollar ein. Der bisher größte Börsengang der Welt war perfekt.

Für andere Unternehmen verlief 2014 weniger erfreulich. Die Zahlungsunfähigkeit des Windkraftunternehmens Prokon schockt nicht nur die Beschäftigten sondern auch 74 000 Anleger, die 1,4 Milliarden Euro in das Unternehmen investiert hatten. Ebenfalls in die Insolvenz rutschen das Verlagshaus Weltbild, eine Betreibergesellschaft von Burger-King-Restaurants und der TV-Hersteller Metz.

Trotz der prominenten Namen war 2014 aus Sicht von Experten in Sachen Insolvenzen eigentlich ein gutes Jahr. Nach einer Studie der Auskunftei Creditreform sank die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren.

Die geringe Zahl an Unternehmensinsolvenzen mag auch ein Grund für die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt gewesen sind. Mit 2,717 Millionen erwerbslosen Männern und Frauen fiel die Arbeitslosigkeit im November in Deutschland auf ein Dreijahrestief. Das historische Rekordtief aus dem Jahr 2011 wurde nur knapp verfehlt.

Bestwerte gab es auch in Sachen Erwerbstätigkeit. Im Oktober waren laut Statistischem Bundesamt erstmals mehr als 43 Millionen Menschen in Deutschland beschäftigt. 2014 – eben ein Jahr der Extreme und der Rekorde.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft