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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Bremer Landesbank Zwischen Schieflage Und Fusion: Was der Umbau für die BLB und den Nordwesten bedeutet

12.04.2017

Bremen /Oldenburg Als der neue Vorstandschef der Bremer Landesbank, Christian Veit, am vergangenen Donnerstag zur Bilanzpressekonferenz erschien, gab er ein ungewöhnliches Bild ab: leicht humpelnd, oben mit Anzug und Krawatte, unten mit Hausschuhen. Ein Bänderriss machte dem 46-Jährigen zu schaffen. Es sollte an diesem Donnerstag nicht die einzige schmerzhafte Nachricht bleiben, die Veit verkünden sollte: Es folgten Schlagworte wie Rekordverlust, Fusion mit der NordLB, Verlagerung von Geschäftsfeldern, Stellenabbau. Der BLB-Chef sprach vom „schwierigsten Jahr in der Geschichte der Bremer Landesbank“. Fragen und Antworten:

Was wurde am Donnerstag verkündet?

Im Wesentlichen drei Dinge. Erstens bestätigte der BLB-Vorstand schon zwei Wochen zuvor bekanntgewordene Zahlen, wonach im Geschäftsjahr 2016 ein Rekordverlust von 1,4 Milliarden Euro vor Steuern bei der Bremer Landesbank angefallen ist. 2015 hatte die BLB noch einen Mini-Gewinn von vier Millionen Euro erzielt. Zweitens teilten die beteiligten Geldhäuser mit, dass die BLB noch in diesem Jahr vollständig mit der NordLB fusioniert werden soll. Nachdem die Bremer Landesbank mit Wirkung zum 1. Januar 2017 bereits vollständig von der NordLB übernommen worden war, verliert sie damit auch ihre rechtliche Eigenständigkeit. Und drittens gibt die BLB einige Geschäftsbereiche ab. Das Geschäft mit Schiffsfinanzierungen wird ebenso wie das Kapitalmarktgeschäft und die Tätigkeiten für die Verbundsparkassen künftig in der NordLB zusammengeführt und von Hannover aus gesteuert.

Wie konnte es zu diesem Milliardenverlust kommen?

Das (viel zu) große Engagement im einstmals lukrativen Schiffsgeschäft wurde für die BLB zum Bumerang. Im Zuge der anhaltenden Schiffskrise musste die Bank Kredite an Reeder mit immer mehr Geld absichern (Risikovorsorge), was die Bilanz entsprechend belastete. 2016 hatte das Geldhaus die Risikovorsorge auf 1,547 Milliarden Euro aufgestockt – nach 341 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Wie viele Schiffe hat die BLB noch im Bestand?

Zum 31. Dezember 2016 standen noch 575 Schiffe (insbesondere kleinere Containerschiffe und Mehrzweckfrachter) mit einem Gesamtvolumen von 6,1 Milliarden Euro in den Büchern der Bremer Landesbank – 73 Schiffe (bzw. 800 Millionen Euro) weniger als ein Jahr zuvor. Seit 2011 wurde die Anzahl der finanzierten Schiffe nach BLB-Angaben um 40 Prozent reduziert und soll weiter verkleinert werden. Dennoch macht das Geschäft mit Schiffsfinanzierungen immer noch rund 29 Prozent des gesamten BLB-Kerngeschäfts aus.

Wäre es ohne Schiffe zur Schieflage gekommen?

Höchstwahrscheinlich nicht. Ohne die Ergebniseffekte aus Schiffsfinanzierungen hätte die BLB nach eigenen Angaben 2016 ein deutlich positives Ergebnis ausgewiesen. Von der Risikovorsorge von 1,547 Milliarden Euro entfielen laut BLB 1,521 Milliarden aufs Schiffsgeschäft. Im Kerngeschäft mit Firmen- und Spezialfinanzierungskunden sowie im Private Banking verzeichnete die Bank ein Wachstum, was über Plan verlaufen sei. In einigen Bereichen gelangen 2016 sogar Rekordwerte. Im Bereich Erneuerbare Energien verzeichnete die BLB etwa das stärkste Finanzierungsjahr seit 1991.

Was soll mit der Fusion erreicht werden?

Vor allem eine Sicherung des Geschäfts, mehr Effizienz und deutliche Kosteneinsparungen – sowohl bei der BLB als auch bei der NordLB. „Bei einer Fusion sind die möglichen Synergien am höchsten. Das war der Treiber“, sagte NordLB-Chef Thomas Bürkle. Es dürfe keine Überschneidungen mehr geben. In der Vergangenheit waren Mitarbeiter von NordLB und BLB in einigen Bereichen als Konkurrenten bei denselben Kunden unterwegs. Die NordLB, die vor allem bedingt durch die Probleme bei der BLB 2016 ebenfalls einen Riesenverlust von 1,96 Milliarden Euro hinnehmen musste, kündigte das Sparprogramm „One Bank“ an, mit dem bis 2020 rund 150 bis 200 Millionen Euro jährlich an Kosten eingespart werden sollen.

Wie sieht das künftige BLB-Geschäftsmodell aus?

Durch die Verlagerung von Schiffsfinanzierungs- und Kapitalmarktgeschäft nach Hannover geht der BLB etwa ein Drittel des Kerngeschäfts verloren. Die Bremer Landesbank soll sich als „Kunden- und Mittelstandsbank“ künftig vor allem um das Geschäft mit Firmenkunden in Nordwestdeutschland und Private Banking für „anspruchsvolle Privatkunden“ kümmern. Zudem verbleiben einige gut laufende Spezialfinanzierungsbereiche wie Erneuerbare Energien, Leasing, Agrar/Ernährung sowie Wohnungswirtschaft und Sozialimmobilien bei der BLB. Die Standorte des Instituts in Bremen und Oldenburg sollen erhalten bleiben. Noch offen ist, wie es mit der derzeitigen Führungscrew der Bremer Landesbank und mittelfristig mit der Marke „BLB“ weitergeht. Dazu gebe es noch keine „finale Entscheidung“, sagte Bürkle. Peter-Jürgen Schneider (SPD), niedersächsischer Finanzminister und NordLB-Aufsichtsratschef, betonte hingegen, dass der Name bleibt.

Wie sieht es mit den Arbeitsplätzen aus?

Sowohl BLB-Chef Veit als auch NordLB-Chef Bürkle erklärten, dass es bei der Fusion auch Stellenabbau geben werde. „Das wird keine ganz kleine Zahl sein; das passiert auch nicht in einem Jahr, sondern im Rahmen des Umbauprogramms bis 2020/21“, sagte Bürkle. Konkrete Zahlen nannte er ebenso wie Veit nicht. Bürkle betonte aber, dass der Stellenabbau nicht nur einseitig in Bremen stattfinde. Die BLB beschäftigte zuletzt rund 1000 Mitarbeiter – davon knapp 300 in Oldenburg. Bei der NordLB sind rund 6400 Beschäftigte tätig. Im vergangenen Jahr gab es Spekulationen, dass insgesamt rund 200 Stellen bei der BLB wegfallen könnten.

Was bedeutet dies für die hiesige Bankenlandschaft?

Eine Schwächung. Die Bankenlandschaft im Nordwesten im Allgemeinen und in den Städten Bremen und Oldenburg im Besonderen galt lange Zeit als ziemlich stark, vielseitig und umkämpft. Neben starken Sparkassen und Genossenschaftsbanken sowie den großen etablierten Privatbanken, wie Deutsche Bank und Commerzbank, buhlten hier u.a. auch die Oldenburgische Landesbank (OLB) als große Regionalbank, die BLB und viele kleinere Institute, die sich vor allem vermögenden Privatkunden widmeten, um Kunden.

Zuletzt war bei vielen Instituten aber eher von Sparkurs, Standortschließungen und Stellenabbau die Rede. Die Deutsche Bank etwa schließt im Laufe dieses Jahres drei von vier Filialen in Bremen sowie die Standorte in Cloppenburg, Bad Zwischenahn, Aurich und Papenburg. Die OLB hat das „Zukunftsprogramm OLB 2019“ gestartet, das neben Millioneninvestitionen auch den Abbau von 280 Vollzeitstellen bis 2019 vorsieht. Das traditionsreiche Bankhaus Fortmann & Söhne ging Ende 2016 in der OLB auf. Nach dem angekündigten Ausstieg des Großaktionärs Allianz gibt es bei der OLB zudem eine gewisse Unsicherheit, wer der neue Eigentümer wird und welche Pläne er hat. Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken der Region werden immer mehr Standorte in SB-Filialen umgewandelt. Der Bankenstandort Bremen musste zuletzt nicht nur die Hiobsbotschaften rund um die BLB hinnehmen, sondern auch noch die Ankündigung, dass beim Bankhaus Neelmeyer 75 – und damit fast ein Drittel – der 250 Stellen wegfallen sollen.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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