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NWZonline.de Region

Wissenschaft auf den Weltmeeren

04.12.2013

Oldenburg Jeder zweite Atemzug eines Menschen beruht auf Prozessen im Meer. Und die Hälfte der Menschheit lebt in einer Distanz von weniger als 100 Kilometern zur Küste. Diese beiden prägnanten Statistiken führt Professor Helmut Hillebrand (47) gerne an, wenn er nach der Bedeutung des Meeres gefragt wird. „Es ist ein ungemein faszinierender Lebensraum, der neugierig macht. Auch der Klimawandel ist ohne Meeresforschung nicht zu verstehen“, erklärt der Direktor des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) an der Universität Oldenburg.

Welche Rolle marine Ökosysteme spielen, hat die Hochschule bereits vor 25 Jahren erkannt. Denn das ICBM war 1987 das erste Institut, das an der damals noch jungen Universität gegründet wurde. Im Umfeld der bereits etablierten Umweltwissenschaften sollte das Meer mit seinen biologischen, chemischen und ökologischen Prozessen genauer erforscht werden. „Unser Konzept beruht auf einem interdisziplinären Ansatz“, betont Hillebrand. Am Standort auf dem Campus Wechloy arbeiten daher Chemiker, Biologen, Ökologen, Physiker und Mathematiker fachübergreifend unter einem Dach – unter nationaler und internationaler Beachtung.

Beste Möglichkeiten

Die Ausrichtung beginnt bei mathematisch-naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung, führt über die angewandte Umweltforschung hin zur Entwicklung von marinen Technologien. Dank der Nähe zur Küste haben die Wissenschaftler beste Möglichkeiten, mit institutseigenen Forschungsbooten, direkt vor Ort zu arbeiten, Proben zu analysieren und ihre Messergebnisse am Rechner auszuwerten. Die komplexen Zusammenhänge werden schließlich durch mathematische Modellierung theoretisch aufbereitet.

Zwischen 2001 und 2009 bündelte das Institut seine Aktivitäten vor allem in der Forschungsgruppe Watt, die mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde. „Das Wattenmeer liegt uns hier im Nordwesten natürlich am Herzen“, sagt Hillebrand. Denn dort lasse sich die Veränderung der Artenvielfalt besonders gut studieren. Mit modernen Plattformen, wie dem markanten gelben Messpfahl bei Spiekeroog, gewinnen die Forscher detaillierte Erkenntnisse. „Es herrscht im Meer eine viel größere Biodiversität, das heißt Vielfalt von Lebensformen, als an Land“, erläutert der Direktor. „Doch die meisten Prozesse sind von außen unsichtbar“, ergänzt ICBM-Geschäftsführerin Dr. Birte Junge.

Und genau darin liegt auch ein Problem: Denn die Eingriffe des Menschen hinterlassen trotzdem ihre Spuren. Das Meer ist akut von Verschmutzung bedroht. Kleinste Kunststoffpartikel, das so genannte Mikroplastik, schwimmen im Wasser, werden von Meerestieren aufgenommen und gelangen wahrscheinlich über die Nahrung auch in den Menschen, erläutern die Wissenschaftler. Nur mit modernen Messmethoden ist dieser Kleinstmüll aufzuspüren.

Auch in Zukunft bleibt für die Meeresforscher somit genug zu tun. „Wir wollen die regionale Küstenforschung weiterführen, uns aber auch stärker global öffnen“, blickt Hillebrand voraus. Mit dem neuen Forschungsschiff des Bundes, der „Sonne 2“, gewinnen die Wissenschaftler ab 2015 neue Möglichkeiten, die Ozeane zu erkunden. Heimatinstitut des Schiffs wird das küstennahe ICBM sein.

Lernlabor für Schüler

Doch das Institut will nicht nur hinaus auf die Weltmeere, sondern sucht auch den Kontakt zur Öffentlichkeit. Im Zuge des Wissenstransfers wird im März 2014 ein Lernlabor für Schüler eröffnet. Und das echte Watt liegt zur Anschauung ja auch in der Nähe – weniger als 100 Kilometer von Oldenburg entfernt.

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